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Im deutschen Reich · 1920-01-01 · Heft 1 (Januar 1920) · p. 29

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 1 (Januar 1920)
Article
[Ohne Titel]
Date
1920-01-01
Page
29 (sequence 7)
Language
German
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Jüdische Rundschau 29 Landes entscheiden, sondern es bleibt hem Völkerbund (lies: England) überlassen, Ostgalizien an Polen zu geben oder darüber anderweitig zu verfügen. Mit anderen Worten: das Land wird einstweilen dem Polenreiche „zur Aufbewahrung" übergeben, bis — sich das Los Rußlands entschieden hat. Es ist möglich, daß eine selbständige Ukraina sich konstituiert und bewährt; dann soll Ostgalizien diesem Land angegliedert werden, möglich aber auch, daß kein einheitliches Großrußland wieder ersteht, das die Ukraina verschlingt. Dann wird dem neuerstandenen Rußland der ehemalige Erbfeind die schöne Provinz Ostgalizien als Wiegengeschenk darbringen — das Land, um dessen Losreißung der Zar drei Millionen Soldaten geopfert hat. Das Geschenk wird groß genug sein, um eine neue Freundschaft zu besiegeln. Auf jeden Fall geht Ostgalizien den Polen verloren, und es wirkt wie Hohn, daß sie diese Provinz vorläufig noch eine Weile behalten dürfen. Der hohe Rat (nämlich Lloyd George) hat auch den Polen ein fertiges Statut übermitteln lassen, nach welchem das Land künftighin zu'verwalten sein wird. Ostgalizien erhält danach eine sehr weitgehende Autonomie mit einem eigenen Landtag und eigenem Heere, welches nur im Falle eines Krieges mit einem äußeren Feind (z. B. Deutschland) außerhalb des Landes verwendet werden darf ... Es ist den Polen verboten, polnische Bauern aus anderen Provinzen in Ostgalizien anzusiedeln, wie dies die Nationaldemokraten in großem Stile zu tun beabsichtigten, um das ruthenische (ukrainische) Bauernelement in Ostgalizien zu verdrängen und pol--" nisches an besten Stelle zu setzen . . . Diese Entscheidung des Obersten Rates, ein Werk Lloyd Georges, wird in Polen als schwere Niederlage, ja, als nationale Demütigung empfunden. Zunächst bedeutet sie einen argen Stoß für die. Politik der Nationaldemokratie und ihrer beiden Führer, des Ministerpräsidenten und Ministers des Aeußeren, P a d e r e w s k i, und des Vorsitzenden der polnischen Friedensdelegation in Paris, Dmowski. Ersterer legte sein Amt nieder. Nun aber sieht sich Polen gezwungen, mit den Ukrainern, die in so hohem Grade die Gunst eben derselben Entente genießen, zu einem friedlichen Verhältnis zu kommen; ein solches aber kann unter der Aegide von Paderewski schwerlich zuwege gebracht werden, da dieser im Verein mit Dmowski der eigentliche Urheber des Krieges mit den Ukrainern in Ostgalizien war, des Krieges, der den Haß Zwischen den beiden Völkern ins Unendliche verbittert hat. Paderewski hat übrigens in öffentlicher Sitzung des Sejm erklärt, er würde nie und nimmer einen Vertrag unterschreiben, der Ostgalizien nicht sofort und endgültig den Polen zuspricht. Paderewski mußte also gehen und die Durchführung des Ausgleichs einem Geeigneteren überlassen. Sein Kampfgenosse Dmowski bekam den bei großen Staatsmännern in solchen Fällen üblichen Krankheitsanfall und läßt ankündigen, daß er zur Wiederherstellung seiner Gesundheit sich für ein halbes Jahr nach dem Süden zurückziehen müsse. — Für die Juden ist diese Entscheidung Englands die d e n k b a r u n g ü n st i g st e. Die Chancen, welche "ihnen ein Ple- Beaehtet die Anzeige: Philo Verlag!

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