Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1920)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 27 (sequence 5)
- Language
- German
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Jüdische Rundschau. 27 ungarische Sprüche in Predigt und Gottesdienst sogar als Auswanderer auf amerikanischem Boden; in den Grenzkomitaten mit gemischter Bevölkerung waren sie die zuverlässigsten Stützen des Magyarentums und zogen sich dadurch den Haß ihrer nichtmagyarischen Mitbürger zu . . . Heute ist das anders geworden. Die Gebiete mit nichtmagyarischer Bevölkerung sind vom ungarischen-Staate abgetrennt, dieser selbst aus einen kleinen' Raum begrenzt; es gibt —“ vorläufig wenigstens — keine Nationalitäten Zu beherrschen und. zu magyarisieren. Der Jude als Bundesgenosse ist überflüssig geworden. Nun empfindet man ihn auch in den "übriggebliebenen, rein magyarischen KomiLaten als „lästigen Inländer", den man hier nicht nötig hat. Bis auf weiteres kann der Jude keinen Nutzen bringen; er hat seine Schuldigkeit getan; er kann gchen. Die Rumänen dagegen denken von den Juden in den ehemals ungarischen Provinzen ganz anders. Die jüdischen Beamten, die noch keine 15 Jahre im Dienste sind, werden mit dreimonatiger Gehaltsabfindung einfach entlassen. Den anderen wird das Leben so sauer gemacht, daß sie von selber gehen. Mit allen Mitteln wird der jüdischen Bevölkerung zugesetzt und auf ihren Abzug hingearbeitet. Am herbsten werden diesen Wandel des Schicksals die 100 000 Juden der Bukowina zu fühlen bekommen. In diesem Ländchen, welches ein Miniatur-Oesterreich darstellle, lebten die 7 oder 8 verschiedenen Völkerftämme im besten Einvernehmen miteinander; die deutsche Sprache, die jeder verstand, war als Verständigungssprache die herrschende, ohne jedoch die Nationalsprachen Zu beeinträchtigen. Die Juden waren im mittleren und Groß-Grundbesitz stark "vertreten, bildeten aber einen beträchtlichen Teil des wohlhabenden städtischen Bürgertums, nahmen im Lande und dessen öffentlichen Leben einen angesehenen Platz ein. Der Bürgermeister der Hauptstadt Czern o w i tz war ein Jude; die philosophische und die juridische Fakultät der deutschen Universität in Czernowitz zählte viele jüdische Professoren in ihrer Mitte. Juden bekleideten hohe politische Würden im staatlichen und kommunalen Dienst, im parlamentarischen Leben. Im Bukowinaer Landtag saßen 10 jüdische Abgeordnete. In den Reichstag zu Wien entsandte die Hauptstadt Czernowitz zwei jüdische Abgeordnete . . . Nun ist das hier ganz anders geworden, nachdem Gerechtigkeit, Fortschritt und Demokratie mit den Kanonen der Entente gesiegt haben. Die Juden werden fortab in diesem Lande nach rumänischen Prinzipien „Ausländer ohne ausländischen Schutz" sein, anstatt daß sie unter der „verrotteten, gewalttätigen und rückschrittlichen" Herrschaft des alten Oesterreich vollkommen gleichberechtigte Bürger waren. Indessen, ganz ohne ausländischen Schutz werden sie nicht dastehen. Da wird nämlich der vielgerühmte „Schutz der Minoritäten" vorhanden sein, den der noch.nmmer angeborene Völkerbund ausüben wird, nur weiß man vorläufig nicht, wer den Völkerbund und wer die Juden vor dem Völkerbund schützen wird. Eine Kostprobe des Minoritätenschutzes haben die oben erwähnten jüdischen Beamten ja zu schmecken bekommen . . . Es bekommen sie auch die Juden im neuen P o l e n zu schmecken. An der Lemberger Universität werden jüdische