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Im deutschen Reich · 1920-01-01 · Heft 1 (Januar 1920) · p. 26

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 1 (Januar 1920)
Article
[Ohne Titel]
Date
1920-01-01
Page
26 (sequence 4)
Language
German
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26 Im deutschen Reich blik ist eix\e jüdische Erfindung!" Dann mutz jeder gute Christ sich ihrer in der Seele schämen. Wenn man versichert, den Bolschewismus haben „die Juden" gemacht, so fühlt sich jeder Nichtjude in seinem Gewissen erleichtert und stimmt begeistert ein, er ist vvllkommen unschuldig; wenn er seine Hände noch so sehr befleckt hat, er war doch nur das Opfer jüdischer Verführung. Die „gute Sache" gewinnt immer mehr Anhänger. Alle, die sich etwas vorzuwerfen haben, werden ihre Vorkämpfer. Alle Schwankenden gewinnen plötzlich festen Boden unter den Füßen. Man darf dieses Moment im politischen Antisemitismus nirgends außer acht lassen. Auch in Deutschland bedient man sich des SchlagworLes „jüdisch" in den meisten Fällen, nicht um eine Sache zu bezeichnen, die wirklich etwas mit Juden oder Judentum gernein hat, sondern um den Gegner in der öffentlichen Meinung bequem herabzusetzen. Ein sehr bekannter SozialpoliLiker jüdischer Abstammung, der aber dem Judentum innerlich und äußerlich längst entfremdet war, dem man höherenorrs nahelegte, er solle sich Laufen lassen, um eine ordentliche Professur zu erlangen, gab zur Antwort: - „Das kann ich nicht tun. Das ist mir viel zu jüdisch" . . 523atf man nicht leiden kann, sieht man als jüdisch an. Der ungarische AntiserniLismus reitet auf zwei Prinzipien, dem religiösen und dem nationalen. Ersteres allein genügt nicht, da man es durch Glaubenswechse! parieren kann. Daher muß das nationale, genauer das Rassenmoment, nachhelfen. (Zur ungarischen Nation zahlen sich nämlich die Ungarn semitischer ebenso wie die Luranischer Rasse.) Es ist nun nicht ohne Ironie, daß der schärfste und unnachsichtigste Verfechter des reinen, allerreinsten, durch kein semitisches Blutströpfchen befleckten Kernmagyarentums — Friedrich heißt. Der gewesene Ministerpräsident dieses Namens, ein geschmeidiger Streber, der aus verschiedenen Oefen Brot gegessen, aus einem Ultraradikalen und Anhänger Karoltzis, aus einem Organisator zionistischer Legionen und nachmaligen Vorsitzenden des Budapester Arbeiter- und Soldatenrats fick) im passenden Moment gründlich gemausert hat. — Dieser Friedrich ist nicht einmal rein deutscher Herkunft; sein Großvater war ein Deutscher, der sich in der Slowakei angesiedelt hatte und s l a w i s i e r t wurde; der Vater Friedrichs war also ein Slowake germanischer Rasse; er heiratete eine Deutsche, und der dieser Ehe entsprossene Sohn, in dessen Adern kein Tropfen ungarischen Blutes fließt, fühlt sich als reinrassiger Turanier berufen, die Reinheit des Magyarentums vor den Juden zu wahren. Das turanische Rassenbewutztsein ist übrigens in den ungarischen Politikern erst seit sehr kurzer Zeit erwacht. Früher, als die 10 Millionen Magyaren in einem Staate von 24 Millionen Einwohnern die herrschende Nation waren, achtete man wenig darauf, ob einer direkt von Arpad abftammte, die Juden waren als Gegengewicht gegen die emporstrebenden Nationalitäten sehr willkommene Bundesgenossen, und sie hielten den Ungarn tapfer und unverzagt die Treue; unter ihren ausländischen Glaubensgenossen hatten sie' sogar den Ruf, dem ungarischen CAK^vinismus^zu huldigen. Sie pflegten die

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