Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1920)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 25 (sequence 3)
- Language
- German
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Jüdische Rundschau 25 ungarischen Magnaten, Schwiegersohn des Grafen Julius Andrassy. Der heftigste Gegner des Bolschewismus und aller gewaltsamen Umwälzung/von den Revolutionären am weiften gehaßt, war der ehemalige Justizminister Dr. Wilhelm Vaszonyi, ein 'überzeugungstreuer Jude, der auch ein neues Wahlgesetz ausgearbeitet hatte, das die Nationalitäten versöhnen und den Zerfall des ungarischen Staates verhüten konnte. Sie wissen sehr wohl, daß Tibor Szamuelly schon als Christ geboren und mit einem Edelfräulein namens von Agoston verheiratet war, daß von Bela Khun noch nicht feststeht, ob er überhaupt jüdischer Abstammung ist, daß unter der kleinen Gruppe von Bolschewistenführern weit mehr Nichtjuden als Juoen waren, daß diese letzteren längst alle Bande abgestreift hatten, die sie mit dem jüdischen Bekenntnis und der jüdischen Gemeinschaft verknüpften. Sie wissen, daß die Bolschewisten in ihrem Kampfe gegen die Bourgeoisie ganz „ohne Unterschied der Konfession" vorgingen und jeden als „Gegenrevolutwnür" Verdächtigen um einen Kopf kürzer machen ließen, ohne Rücksicht, ob er Jude oder Christ war. Sie wissen, daß unter den von den Lenin-Buben in den Kasernen eingesperrten und unmenschlich behandelten Geiseln die angesehensten jüdischen Persönlichkeiten und Führer sich befanden, daß unter den beschlagnahmten Vermögen religiöser Institutionen die der jüdischen mit der verhältnismäßig größten Ziffer figurierten, vermutlich, weil die jüdischen am wenigsten geschützt und von jüdischer Seite Repressalien am wenigsten zu befürchten waren.*) Sie wissen, daß durch die völlige Lahmlegung von Handel und Gewerbe, durch die Sozialisierung der Fabriken und Banken, der Wohnhäuser und Eeschäftslüdeu der jüdische Mittelstand in den Städten am härtesten betroffen, zahllose jüdische Existenzen zugrunde gerichtet und an den Bettelstab gebracht wurden, während die christliche Bauernbevölkerung und der Arbeiterstand völlig verschont blieben. Sie lachen sich heimlich ins Fäustchen über die Leichtgläubigkeit der Massen, denen sie emreden, daß eine Handvoll junger Juden drei Monate lang einen unerhörten Terror im Lande ausüben konnte, während sämtliche christlichen Magyaren als müßige Zuschauer dabeistanden und höchstens die- Rolle der verführten Unschuld spielten. Und dennoch heißt es: „Hoch das rassenreine, christliche Uugartuml! Die Juden,- diese Fremdlinge, müssen zum Lande hinaus!" Aber man irrt gewaltig, wenn man glaubt, daß die Rufer in diesem Streite Antisemiten aus Gefühl oder Ueberzeugung sind; s i e sind Antisemiten aus Ge r e ch nung, aus Politik. Es ist am leichte st e n, eine Sache zu diskreditieren, indem man sie als jüdisch verschreit. Die Anhänger der Monarchie wollen die republikanische Staatsform herabsetzen; sollen sie sich darauf berufen, daß es unter den Juden Ungarns gewiß verhältnismäßig.nicht weniger überzeugte Monarchisten gibt, als unter den Nichtjuden? Viel bequemer ist es, zu rufen: „Die Repu- *) (B wurden konfisziert: von Katholiken 114,5 Millionen, von Juden 44,5, von Reformantsn 26,25, von Lutheranern 16,25, von Griechjjchmckemaü scheu 1,3, von Unitariern 1,2.