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Im deutschen Reich · 1920-01-01 · Heft 1 (Januar 1920) · p. 24

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 1 (Januar 1920)
Article
[Ohne Titel]
Date
1920-01-01
Page
24 (sequence 2)
Language
German
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24 Im deutsches Reich gerrüber den Nationalitäten (Rumänen und Slawen) der Fall. Das Magyarentum brauchte Kräfte zur Entfaltung seiner geistigen und wirtschaftlichen Kultur. Die Juden waren ihm selber willkommen, und man anerkannte dankbar und rühmend ihre erfolgreiche und fruchtbare Mitarbeit an dem Ausbau des modernen Ungarn. Ein unverhältnismäßig großer Teil dessen, was auf geistigem und wirtschaftlichem Gebiete an schöpferischer Arbeit in.-Ungarn geleistet wurde, ist das Werk der Juden. Ihr, aufrichtiger und hingebungsvoller Patriotismus stand außer Zweifel. Der Antisemitismus, ausschließlich vom Neid genährt, verkroch sich in die verborgensten Winkel und wühlte im Dunkeln. Im Prozeß von Tisza—Eßlar, der von den Wiener Klerikalen und Zentralismen eingefädelt worden war, bereiteten die führenden Männer des Magyarentums dem Antisemitismus eine schmachvolle Niederlage, von der er sich' nicht wieder erholt hat. Die Namen Ouody und Jstoczy klingen heute wie Reminiszenzen aus vorsintflutlicher Zeit. Auch am politischen Leben nahmen die Juden hervorragenden Anteil. Jüdische Abgeordnete saßen in allen Parteien des Parlaments, mit Ausnahme natürlich der kleinen (oppositionellen) „christlichen Volkspartei", die einen Teil des verdrossenen klerikalen Hochadels repräsentierte. Außerdem neigten die Siebenbürger Sachsen und Zipfer Schwaben stark zum Antisemitismus; aber da ihre Abgeordneten prinzipiell mit dem Magyarentum Hand in Hand gingen, so kam auch bei ihnen der Antisemitismus nicht zur Geltung. Es gab in Ungarn keine Judenfrage. Stuf einmal gibt es in Ungarn eine Judenfrage, nämlich seit der Niederwerfung des Bolschewismus, der 132 Tage lang das Land tyrannisieren durfte. Auf die „Diktatur des Proletariats" folgt die Reaktion; die Monarchie ist im Anmarsch. Es gilt nun, die- Spuren des Bolschewismus auszutilgen und an seinen Urhebern Rache zu nehmen. Der weiße Terror versteht sein Handwerk nicht schlechter, als der rote. Nun taucht die Forme! auf: Bolschewismus---Judentum: Alle Bolschewisten sind Juden, alle Juden sind B o l s ch e w i st e m Der bequemste Sündenbock ist gefunden. Will man den Bolschewismus ausrotten, so muß man die.Juden totschlagen. UniversiLätsprofefsoren und Studenten, die bis nun im besten Einvernehmen und herzlichster Freundschaft mit den Juden und... von den Juden lebten,MeranstalLen Pogrome, schreien nach dem Ausschluß der Juden von ~ der Universität. Liberale Politiker und Staatsmänner, die ihre ganze Karriere der Wahlhilfe der Juden verdanken, entdecken plötzlich ihr antisemitisches Herz. Sozusagen über Nacht ist die führende politische Schicht in Ungarn antisemitisch geworden. Man steht vor einem Rätsel. Ein solch plötzlicher Umschwung der Gefühle und Gesinnungen ist unerklärlich. Nun wissen alle die jetzigen Fahnenträger des ungarischen Neo- Antisemitismus sehr wohl, daß die Behauptung, der Bolschewismus sei ein jüdisches Erzeugnis, alle Bolschewisten seien Juden, eine leere und verlogene Phrase ist. Der eigentliche Geburtshelfer und Pate des Bolschewismus jst Graf Michael K a r o l y i, einer der ersten

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