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Im deutschen Reich · 1920-01-01 · Heft 1 (Januar 1920) · p. 22

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 1 (Januar 1920)
Article
[Ohne Titel] / K. A.
Date
1920-01-01
Page
22 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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22 Im deutschen Reich besten Geister Goethe, Kant, Wagner, Scharnhorst gewirrt haben, zum Opfer gefallen find. Teils diese allgemeine traurige Erwägung, daß es einem innerlich anständig denkenden, reinlich empfindenden Menschen unmöglich ist, in Gemeinschaft mit so aller Ehre baren Zeitgenossen das Licht des Tages zu atmen, teils der besondere Fall von Ungerechtigkeit und Ehrabschneiderei, den ein mir bis-jetzt eng verbundener Kreis von Menschen konstatiert, zwingt mich, allem Irdischen zu entsagen. Da es zur Zeit für mich keine Möglichkeit mehr gibt, auf dem kavaliermäßigen Wege, mit der Waffe in der Hand, meine niedergetretene, vor allen Freunden bloßgestellte Ehre zu reinigen, da militärifcherseits die Ehrengerichte nicht mehr existieren, akademische Korporationen mir als Juden nicht Wassenschutz geben, kurzweg mir das Recht der Satisfaktion nicht zugebilligt wird, wird jeder anständige Mensch es für begreiflich finden und mich nicht für irrsinnig erklären, wenn ich den einzigen Weg nehme, der mir offen bleibt. Zum Verbrecher will ich nicht werden, niedriger Rachsucht will ich mich, nicht hingeben, so bleibt für mich nur das eine: Durch meinen Tod anerkannt zu -wissen, daß ein Deutscher jüdischer Geburt, der sein ganzes Leben nur den hohen Idealen besten Menschen- und Volkstums nachgestrebt zu haben glaubt, trotz aller seiner Laster und Fehler, auch ein Mensch von Ehre und Anstand sein kann. Es ist mein glühendster Wunsch, den ich mit ins Grab nehmen will, daß Deutschland und sein armes verblendetes Volk eines Tages frei von allen Binden, die ihm jetzt die Sehkraft seiner Augen verhüllen, aufs neue und für immer zu Macht und Blüte gelangen möge, bester an Art wie die vergangene, unvergänglich von Dauer und Wert." Wir wissen nicht, ob die Kreise, die Maximilian Spaeth in den Tod getrieben haben, noch soviel menschliches Empfinden besitzen, um durch die Tat, die hier geschehen ist, erschüttert zu werden. Man könnte fast glauben, daß sie für das, was Menschsein heißt, kein Verständnis mehr haben. Wir aber wollen dafür sorgen, daß der Name Maximilian Spaeth nicht vergessen wird. Wir wollen dafür sorgen, daß die furchtbare Tat dieses jungen Menschen, der sich durch die Judenhasse-r um seine Jugend, um sein Leben betrogen sah, sich eingräbt in das Gewissen aller, die Anspruch daraus machen, Menschen genannt zu werden. Ms Jude mag man die Tai dieses Jünglings nicht billigen. Denn sie ist nicht jüdisch. Sie ist geboren aus Verzweiflung. Verzweiflung aber ist etwas, was uns Juden frenrd sein sollte. Dem Judentum ist immer eigen gewesen der Wille zum Leben. Ihm entspringt da, -wo sich Hinderniste entgegensetzen, der Wille

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