Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 23 (sequence 10)
- Language
- German
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Jüdische Rundschau 23 Zum Kampf. Nicht durch Taten der Berz-weiflung werden unsere Gegner überwunden, sondern ihnen gegenüber hat nur Kampf zu gelten. Gerade deswegen fordern wir von jeher mit aller Schärfe, daß unsere Jugend sich bestrebt, fest zu wurzeln im Judentum; denn der Wille zum Judentum ist der beste Halt gegenüber allen Enttäuschungen. Aber als Menschen können wir es verstehen, daß eines Tages ein junges, stark empfindendes und bis dahin auch kampffrohes Jünglingsherz gebrochen wird, wenn ihm Enttäuschung über Enttäuschung bereitet wird. Und deshalb dürfen wir von der Blutschuld derer sprechen, die den Tod dieses jungen Menschen verschuldet haben. Diese aber werden erst dann, wenn einmal der Abschicdswunsch des Verstorbenen erfüllt sein wird, wenn einmal „Deutschland und sein armes verblendetes Volk frei sein wird von allen Binden, die ihm jetzt die Augen verhüllen", erkennen und begreifen, wie groß ihre Schuld gewesen ist, da sie so handelten, daß dieser Jüngling, der sicherlich Wertvolles zum Wiederaufbau Deutschlands geleistet hätte, in seiner Blüte sterben zu müssen glaubte. K. A. In Ungarn kann man jetzt das Wesen und die inneren Triebfedern des Antisemitismus so recht studieren. Vor zwei Jahren konnten die Juden dieses Landes das fünfzigjährige Jubiläum ihrer voLständigen bürgerlichen und politischen Gleichberechtigung-feiern, die aber schon seit den vierziger Jahren von den größten Führern der ungarischen Nation, wie Ludwig K o s s u t h, Graf Secheny, Graf Andrassy, Karl Eötvös, Franz Deak erstrebt und nur vom WienerHos solange hintangehalten wurde, weil er davon eine Stärkung des national-ungarischen Elementes befürchtete. Als jedoch nach Königgrätz Wien gezwungen war, sich mit ,dem Gedanken des ungarischen Nationalstaates abzufinden, mußte die Emanzipation der Juden wie eine Naturnotwendigkeit kommen. Das ganze Ungartum begrüßte sie mit Enthusiasmus; denn die Juden waren in der -Tat starke und treue Stützen der ungarischen Staatsidee gegen die absolutistisch-zentralistischen Aspirationen Wiens ebenso wie gegen die zentrifugalen Bestrebungen der Nationalitäten, die man von Wien aus nicht aufhörte, zu schüren. Die -Juden hatten sich nämlich sprachlich, kulturell, politisch und wirtschaftlich längst mitdem ungarischen Element verbunden, lleberall nämlich, wo die Juden zwischen zwei auf verschiedener Entwicklungsstufe stehenden Völkerstämmen wohnen, werden sie von demjenigen angezogen (oder: assimiliert), der früher als der andere eine städtische Kultur, ein geistiges Leben, ein ausgeprägtes Politisches Ideal entwickelt. Das war in Ungarn bei den Magyaren ge-