Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 21 (sequence 8)
- Language
- German
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Zeitschau 21 Und ein heiliges Sterben ist es, von dem wir hier sprechen wollen. Hört es, ihr, die ihr den Haß sät, hört es, wie aus eurer Saat eine furchtbare, grauenerregende Blüte emporgeschofsen ist: In München ist ein junger Student, Maximilian Spaeth, freiwillig aus dem Leben geschieden, weil ein Verein, „Frohe Garde", dem er angehörte, den Beschluß faßte, keinen Juden mehr aufzunehmen) ja die jüdischen Mitglieder auszusch li eß en. Kurz vorher hatte dieser Verein dieses jüdische Mitglied wegen seiner Verdienste im Kriege zum Ehrenmitglied ernannt. Und danach faßte man den Beschluß, die jüdischen Mitglieder auszuschließen. Schon vorher hatte ihn eine antisemitische Kränkung eines Offiziers, mit dem er bisher in Verkehr gestanden hatte, an den Rand der Verzweiflung gebracht. Das mag seinen Entschluß, freiwillig aus dem Leben zu scheiden, bestärkt haben. Wie furchtbar dieser junge Mensch unter den antisemitischen Kränkungen gelitten hat, das ergibt sich aus dem Testament, das er wenige Tage vor seinem Tode verfaßt hat. Hier ist es: „Ms Deutscher von Geburt, Denkart, Gefühl und Erziehung ist es mir in die Seele hinein schmerzlich geworden, zu sehen, welche unheilvolle Entwicklung das geistige Werden meiner Volksgenossen genommen hat und noch weiter nimmt; ich verzweifle daran, in absehbarer Zeit selbst noch Zeuge und Mitwirkender der nationalen Wiedergeburt sein zu dürfen. Gewissenlosigkeit, Verblendung, Selbstsucht, Haß und Rache verdunkeln das klare Borstellungsvermögen meiner Mitbürger und machen es unmöglich, gemeinsam den geraden Weg, der zu neuem Aufblühen der deutschen Nation führt, zu begehen. Alle Unvollkommenheit menschlicher Eigenart und gesellschaftlicher Unmoral hat sich jetzt zu einer Materie verbunden, die das Gehirn der . Einzelindividuen wie der Massen breit ausfüllt: Hier wird Eigennutz Idealismus; Hingabe zur Gemeinsamkeit des Völkischen verschaltet durch Ungerechtigkeit und Erkenntnislofigkeit in der Wahl der Mittel. Die Unlust, am eigenen Wohlergehen, am Selbstkörper das Weiheopfer der Einschränkung, der Entbehrung, des Lebens harte Bürde auf sich zu nehmen, zwingt die materialistischste aller Generationen, sich am Gute des Nebenmenschen, an den Interessen der anderen Berufs- und Wirkungskreise schadlos zu balten, und sie ergibt statt Einmütigkeit in Seele und Sinn, statt festen Zusammenwirkens aller deutschen Brüder, die schamloseste Ausbeutung und Willkür, der schon die heiligsten Gesetze menschlichen und völkischen Anstandes, die Ueberlieserung jener Kultur, in der unsere