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Im deutschen Reich · 1920-01-01 · Heft 1 (Januar 1920) · p. 20

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 1 (Januar 1920)
Article
[Ohne Titel] / K. A.
Date
1920-01-01
Page
20 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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20 Im deutschen Reich unsere Ohren nicht vor ihm verschließen, wenn wir mitleben und Mitarbeiten wdllen in der Gemeinschaft der Menschen. Und so gibt es auch für uns Juden diesen Klang. Es reicht unsere Gemeinschast nicht über die. Länder und Völker hinaus. Bekenner unseres Glaubens existieren allüberall auf der Erde, aber als Menschen; sonst sind wir geschieden. Wir sind aufgegangen in der Kultur der Völker, unter denen wir leben. .Wir fühlen uns eins mit diesen Völkern, und wir fühlen mit ihnen. Das sei noch einmal mit aller Schärfe Georg Hermann und all denen, die uns diese Empfindungen zum Vorwurf machen möchten, gesagt. Und daß auch ein Mensch wie Hermann innerlich sich nicht loslösen kann von dem, was er als Mitlebender und Mitarbeitender im deutschen Volke empfinden muß, das zeigt ein Ansspruch wie der: „Deutschland muß siegen, — einfach deshalb, weil die anderen kämpfen, um zu siegen. — Wer wir kämpfen, um zu existieren, um zu leben — und Leben-wollen ist stärker als Siegen-wollen." Diesen Satz haben offenbar die Herren der „Süddeutschen Monatshefte" nicht gelesen, oder sie haben es vorgezogen, ihn ihren Lesern vorzuenthalten. Wir wollen uns aber diesen Satz merken, und wir wollen uns ihn auch merken in dem Kampf, den wir als Juden gegen unsere antisemitischen Gegner führen. Sie kämpfen, um zu siegen, d. h. um auf unseren zertretenen Leibern ihre Triumphfahne zu errichten; wir aber kämpfen, um zu leben, um zu existieren. Von seher war unser Wille zum Leben unüberwindlich, und er wird auch heute stärker sein als der Vernichtungswille der Gegner. An ihm muß auch der Haß, der drüben gevredigt wird, zerschellen. K. A. (Abgeschlossen am 20. 12. 19.) * * Nachdem die vorstehenden Zeilen abgeschlossen sind, erhalten wir ausführliche Mitteilungen über ein uns bereits früher kurz bekanntes Ereignis, das in seiner furchtbaren Tragik die Bekräftigung dessen ist, was wir oben geschrieben haben. Hunderttausende hat der Krieg hinweggemäht; wir hatten uns beinahe — so grausig und grausam es klingen mag ■— an den Tod gewöhnt, und wir erbebten nicht mehr, wenn wir von dem Dahinwelken eines jungen, blühenden Menschenlebens hörten. Opfer mußten gebracht werden, und in diesem Gedanken nahmen wir die Kunde von unzähligem Sterben auf. Aber nun ist die Zeit des großen Opferns vorbei, nun erwachen in uns wieder die Begriffe Sterben und Tod. Wir sind heute wieder fähig; erschüttert zu werden, wenn wir hören, daß plötzlich ein junger strebender Mensch sein Leben hingibt für eine Sache, die ihm heilig ist.

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