Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 16 (sequence 3)
- Language
- German
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16 Im deutschen Reich Universitäten abfpielende antisemitische Hetze muß jeden vernünftig denkenden Menschen mit Schauder erfüllen. Wenn man Berichte über die Vorgänge in der Studentenschaft lieft, jo sollte man beinahe annehmen, daß die jungen Herrschaften heute nichts Besseres zu tun haben, als darüber nachzusinnen, wie sie die jüdischen Kommilitonen am meisten schädigen. Die Versammlungen der Studentenschaft an einer Reihe von Universitäten sind ausgefüllt mit Debatten über die Zweckmäßigkeit des Ausschlusses der Juden von allen offiziellen Studentenangelegenh eiten. Es geht uns ja auch so herrlich gut im deutschen Lande heute, daß wir gar nichts Besseres tun können, als uns mit diesen Dingen zu beschäftigen! Wir sind ja auch im Auslande so geachtet; wir haben im Innern kein Elend und keinen Hunger; wir haben keine Kohlennot, und wir kennen nicht die Sorgen, wie wir Hunderttausende Obdachlose unterbringen können, daß wir uns ruhig den Luxus des inneren Haders gestatten dürfen! Krampst sich einem nicht das Herz zusammen, wenn man liest und hört, wie diese , jungen Menschen sich mit vollem Bewußtsein an dem so schwerkranken Körper unseres Vaterlandes versündigen? Jeder einzelne von ihnen bemüht sich, dem kranken Körper eine weitere Giftspritze zu geben, die den Verfall beschleunigt. Haß! so schreit es aus allen Ecken und Kanten uns entgegen. Kein Zusammenarbeiten, kein gemeinsamer Wille zum Wiederaufbau, sondern nur Vernichtung und, Verwüstung! 'Wir wollen nicht so sehr mit den jungen Leuten rechten, die heute diese haßgeschwängerte Atmosphäre noch mehr verunreinigen, wir wollen nur denen die Larve der Vaterlandsfreunde vom Gesicht reißen, die hinter diesen jugendlichen Elementen stehen. Daß die studentischen Organisationen, die vor dem Kriege keine Juden ausgenommen haben, Juden auch heute den Eintritt verwehren, nimmt nicht wunder. Daß darüber hinaus Verbände, die Juden zu ihren Mitgliedern zählten, neuerdings sie von der Aufnahme ausschließen (wie z. B. die A. D. B.-Burschenschaft), daß schließlich sogar studentische Standesorganisationen, wie die Klinikerschaften, sich gegen den Eintritt von Juden aussprechen, ist ein Zeichen dafür, wie weit die Dinge schon gediehen sind. Wir brauchen diese Organisationen nicht. Wir haben unsere eigenen Verbände, die die Interessen unserer Jugend wahrnehmen und die es unserer Jugend ermöglichen, ein studentisches Leben zu leben. Aber die Gistblüte des Judenhasses wuchert. Ihre Tropfen fallen überall hin, und überall da, wo ein solcher Tropfen hinsällt, schießt eine neue Giftpflanze empor und unterwühlt den Boden, auf dem allein