Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 15 (sequence 2)
- Language
- German
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Zeitsch-m 16 die davon betroffen werden, die furchtbarste seelische Qual, die ausgedacht werden kann, und man könnte es beinahe verstehen, daß in den Herzen derer, die unter der Wunde, die sich nicht schließen soll, sortbluten, der Haß sich entzündet gegen die, die die Vernarbung der Wunde hindern. Aber vor Haß soll nr a n s i ch hüten. Es ist wohl nie ein trefflicheres Wort über diese Leidenschaft gepsrägt worden als von Konstantin Brunner*), der sagt: „Der Haß ist nicht nur schlimm für den Gehaßten, sondern auch und immer für den Hassenden; denn ein Leiden ist der Haß, welches auch andere leidend machen will." Ueber alle Erbitterung dieser Tage hinaus, über alle Qual hinweg, die uns der Krieg und seine Nachwirkungen auferlegt, sollten wir dieses Wortes eingedenk fein. Durch neuen Haß wird neues Leid über die Menschheit gebracht. Wer wenn in der Tat unsere Feinde weiter uns durch die Zurückhaltung, unserer Gefangenen so furchtbar quälen, wer kann sich da wundern, daß in den Herzen vieler der Haß neu emporlodert? Eigenartig ist es, daß heute gerade die Kreise den Haß gegen unsere Feinde, predigen, die einstens, als Ernst Lissauers Haßgesang Wellen der Begeisterung aufwühlte, nicht laut genug erklären konnten, daß Haß etwas Verwerfliches, -etwas Undeutsches sei. Heute bezeichnet selbst die „Deutsche Zeitung" (Beilage „Das junge Deutschland" vom 20. November) diesen Haßgesang als markig und voller Wucht. Wir wollen uns nicht mit einer Bewertung der Lissauerschen Dichtung befassen.' Es kam uns nur darauf an, die Antisemiten wieder einmal ad absurdum zu führen. Sie fallen immer herein, wenn sie eine Arbeit eines deutschen Juden, die aus dem allgemeinen Empfinden des deutschen Volkes heraus entstanden ist, verwerfen; denn eines Tages werden sie immer diese Empfindungen als die ihrigen aufgreifen. Aber was nützt es, diese Herrschaften auf die Jrrgänge hinzuweisen, in denen sich ihre Gedanken bewegen. Während sie auf der einen Seite die deutschen Volksgenossen zum Haß gegen die Feinde aufrufen, schüren sie auf der anderen Seite den Haß im eigenen Lande. Und sie fangen geschickterweise da an, wo alle derartigen Versuche den besten Nährboden finden. Unter Studenten und Schülern agitieren sie mit einer Skrupellosigkeit sondergleichen. Wir wollen es dahingestellt sein lassen, ob der Wert der antisemitischen Bewegung dadurch gehoben wird, daß sich heute vornehmlich junge und unreife Köpfe zu ihren Trägern machen. Die Folgen einer Hetze, durch die die Jugend vergiftet und das friedliche Zusammenarbeiten aller vaterlandsfreudigen Elemente gehindert wird, fallen auf die zurück, die diese Agitation geschürt haben. - Die sich beispielsweise an nuferen , *) „Der Judenhaß und die Juden", Seite XVIII.