Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / Verax
- Date
- 1919-12-01
- Page
- 522 (sequence 5)
- Language
- German
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838 Im deutschen Reich scheu Vereins in Deutschland und Oesterreich Prvf. Svmbart zu öffentlichen Vorträgen ein. Wer es wagte, an seinen Lehren Kritik zn üben, wurde als Verräter an der jüdischen Nation gebrandmarkt. In Wien sollte im Winter 1912 M bekannter jüdischer Gelchrter die Sombartsche Theorie in einem öffentlichen Bortrag einer kritischen Analyse unterziehen; die dortigen Zionisten besetzten eine Stunde zuvor den Saal und ließen den Redner nicht erst zu Worte kommen. Mehrere zionistische Redner (so z. B. Herr Kurt Blumenseld) reisten Mt Borträgen über Sombart umher und propagierten eifrig seine Lehre — die schon damals nirgends begeisterteren Anklang fand als nt Lemberg, Posen und Warschau. Nun erleben wir deren praktische Anwendung auf eine drastische Weise. . . . Wir hckben also die „nationale Autonomie", den Schutz der Minoritäten, mitsamt dem ganzen Zubehör, ganz wie sie Wilson durch die Person seines Abgesandten Morgenthau verbürgte. Indessen hat die mehrmonatliche Uiäersuchungstätigkeit Morgen- Haus in Polen noch andere Ergebnisse gezeitigt. Bekanntlich wüten zwischen Polen und Ukrainern seit dem Zusammenbruch Oesterreichs blutige Kriege um den Besitz O st gal i z i e n s vom San ab. Diese Provinz fft für Polen von größter Wichtigkeit, '.regen ihrer fruchtbaren Schwarzerde, ihres Reichtums an Wäldern, Flüssen sowie unerschöpflichen Bodenschätze, Salz, Erze und hauptsächlich Petroleum. Die ganze Landbevölkerung ist durchweg ukrainisch, nur die Großgrundbesitzer und die Beamtenschaft sind polnisch, die Städte bilden polnische Sprachinseln im ukrainischen Bolksmeer, und in den Städten wurde das Polentum hauptsächlich von den Juden repräsentiert- Nach langem Schwanken entschied die Entente, daß die Polen ein fünfzehnjähriges Mandat über Ostgalizien erhalten sollten, nachher sollte eine Volksabstimmung über die endgültige Zugehörigkeit der Provinz entscheiden. Damit waren die Ukrainer unzufrieden, da sie den sofortigen Anschluß an ihr Mutterland verlangten. Da aber in Ostgalizien bei einem Plebiszit die Juden das Zünglein an der Wage bilden wörden, so wären die Polen gezwungen gewesen, ihre ganze Judenpolitik von Grund aus zu ändern, wenn sie das schöne Land nicht endgültig verlieren wollten; darob großer Zorn unter den Nationaldemokraten, Verzweiflung Paderewskis und Dmowflis. Nun traf es sich merkwürdigerweise, daß einige Tage nach Eintreffen des Herrn Morgenthau in Paris der dort ebenfalls angelangte Paderewski nach Warschau telegraphieren konnte, daß auf den,Einspruch der amerikanischen Friedensdelegation Mt dem' Obersten Polk an der Spitze der frühere Beschluß umgestoßen und bestimmt wurde, daß Ostgalizien sofort und endgültig an Polen anzugliedera sei. Dmowski atmete aus, man brauchte sich in der Judenpolitik keinen Zwang mehr aufzuerlegen. .. . . Sogleich stieg auch der bis dahin arg daniederliegende Kredit Polens auf dem amerikanischen Geldmarkts. Man erzählte sich in Paris, daß der amerikanischen Industrie und Hochfinanz, die mit Polen Geschäfte machen wolle, viel daran liege, daß Polen zahlungsfähig sei und zu diesem Zweck Oftgalizien behalten müsse. . . . Eine amerikanische Schuhwarensirma, die Stiesel für di« polnische A rmee liefern sollte, verlangte, da sie