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Im deutschen Reich · 1919-12-01 · Heft 12 (Dezember 1919) · p. 515

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 12 (Dezember 1919)
Article
Zeitschau
Date
1919-12-01
Page
515 (sequence 4)
Language
German
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ZeiLschou 515 vom 5. November (Nr. 573) unter der Aufschrift.„Begründeter Anlaß zu lebhafter Beunruhigung für die Juden oder für dieDeutschen?" sich recht eingehend mit dieser Rede des Ministerpräsidenten befaßte. - Auch das find wir gewohnt! Die Antisemiten pflegen die Dinge stets so darzustellen, als ob sie unschuldig wie die Lämmer sind, während wir die Wölfe sind,' die danach trachten, Vernichtung in die Länrmerherde hineinzutragen. Es ist ja noch gar nicht solange her, daß antisemitische Blatter verkündet haben, nicht.von nichtjüdischer Seite gehe der Anstoß zu Pogromen aus, sondern die Juden seien es, die die Pogrome verursachten.. Von den Juden geht die Gefahr aus, die das deutsche Volk $u vernichten droht. Infolgedessen, so meint Herr Revenllow, seien die jüdischen und judaistischen Führer — wir möchten gern einmal wissen, worin der Unterschied Zwischen einem jüdischen urä> einem judaistischen Führer besteht — mit aller Anspannung bemüht, die Kenntnis der jüdischen Gefahr zu verhindern und zu verwirren. Und nun kommt das Interessante. Merkt es euch, Sozialdemokraten! Herr Reventlow gibt namens der Deutschnationalen die Erklärung ab, daß er bereit ist, mit euch Hand in Hand zu gehen, wenn ihr euch von den Juden lossagt! So heißt es: „Aber das darf man wohl anssprechen: Das Verhältnis der Sozialdemokratie zu den nationalen Parteien und Schichten würde in dem Augenblick in vieler Beziehung ein anderes sein, wenn ein deutscher nichtjüdisch geführter und durchtränkter Sozialismus vorhanden wäre. Ebenso stände es zwischen den bürgerlichen Parteien." Das ist allerdings neu, und das ist der Gipfel einer Politik, die an Verlogenheit nicht ihresgleichen hat. Klar ist es endlich einmal ausgesprochen: nicht der Kampf für irgendwelche Ideen, nicht der Kampf um eine konservative Weltanschauung, nicht der Kampf für die Monarchie, nicht der Kampf um die Pflege des Deutschtums ist es, was die Deutschnationalen bewegt, sondern einzig und allein der KampK gegen das Judentum. Um diesen Kampf mit Erfolg führen zu können, sind die Herren von der Dentschnationalen Partei sogar bereit, einen Pakt zu schließen mit den Vorkämpfern der Republik, mit den Vorkämpfern des Sozialismus, wenn diese sich entschließen sollten, ihre Beziehungen zu ihren jüdischen Mitgliedern zu lösen. Es gibt nur ein Wort für eine derartige Taktik: „Pfui!" ' ' Wir glauben es gern, daß es den Herren von der Rechten lieb wäre, wenn sich Kräfte finden würden, die ihren wankenden Thron stützen könnten; aber wir sind ebensosehr davon überzeugt, daß die Parteien, die nicht das Unrecht als Leitmotto auf ihre Parteifahne geschrieben haben, auf diesen Köder des Herrn

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