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Im deutschen Reich · 1919-12-01 · Heft 12 (Dezember 1919) · p. 514

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 12 (Dezember 1919)
Article
Zeitschau
Date
1919-12-01
Page
514 (sequence 3)
Language
German
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£>14 Jra deuljcheL Leich Wie ist wieder einmal alles aus der Luft gegriffen, Das in diesen Tagen der Verhandlungen des Untersuchungsausschusses gegen die Juden laut wird! Der „Judenausschuß"," so heißt es, tagt im Reichstage! „Hindenburg mtb; Ludendorff vor Cohn uiä> Sinzheimer", so prangen die Ueberschriften der alldeutschen Blatter. Man übergeht mit Absicht, daß bis vor wenigen Tagen Vorsitzender des Ausschußes der deutschrmtionale Landgerichtsdirektor vr. Warw.uth war, daß nun, da er vorn Vorsitz zurückgetreten, aber doch im Ausschuß geblieben ist, an seine Stelle der nichtjüdische Abgeordnete Gorhein getreten ist. Weiß man nicht, daß außerdem der Zentrumsabgeordnete Spahn im Ausschuß sitzt, daß auf der Bank der Sachverständigen der deutschnationale Professor Dietr. Schäfer Platz genommen hat! Warum wälzt sich die Schmutzwelle dieser Klassenagitation nicht gegen diese Herren? Warum nur gegen die Juden? Der Zweck ist doch gar zu durchsichtig, und es ist ein Beweis für die Blindheit der Massen, daß sie immer untz immer wieder in die Netze derer, die aus den antisemitischen Fischfang anszchen, fallen. Noch ein weiterer Beweis für die schreiende Ungerechtigkeit, mit der man uns gegenüber vorgeht, sei dieses: Vor einigen Tagen veranstaltete irgendeine der vielen heute aufgetauchten Ligen eine Kundgebung, die sich richtete gegen „Erzberger und die Juden". Man haßt Erzberger! Man haßt Cohn und Sinzheimer! Warum nannte man jene Kundgebung nicht „gegen Erzberger und gegen Cohn und Sinzheimer"? Warum nannte man sie nicht „Gegen die Katholiken und gegen die Juden"? Nein, nur der Jude wird verbrannt, nur hier wird die Gesamtheit für das, was man dem einzelnen zur Last legen zu können glaubt, verantwortlich gemacht. Jahrhundertealt ist dieses Spiel, und doch finden wieder Hunderttausende Gefallen an ihm. Allmählich hat man den Eindruck, daß es den Antisemiten doch etwas schwül bei ihrem Tun wird. Es ist ihnen unbequem, daß es Leute gibt, die anstatt auf ihren Schwindel hineinzufallen, ihre ganze Macht brauchen,, um dieses Schandtreiben zu enthüllen. In sehr energischer Weise hat der preußische Ministerpräsident Hirsch in seiner kürzlichen Etatsrede in der Preußischen Landesversammlung das antisemitische Gebaren gebrandmarkt. Daß die gesamte alldeutsche Presse über ihn, der dazu noch den Makel der Zugehörigkeit zum Judentum trägt, herfällt, ist selbstverständlich. Wir hätten es daher auch nicht für nötig gehalten, daraus einzugehen, wenn nicht Graf Reventlow, der immer mehr sich zum „geistigen" Führer der antisemitischen Bewegung anwächst, in einem nach mehr als einer Richtung hin interessanten Aussatz in der „D eu tsch en Ta ge sze itn n g"

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