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Im deutschen Reich · 1919-12-01 · Heft 12 (Dezember 1919) · p. 511

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 12 (Dezember 1919)
Article
Ungarn und die Juden
Date
1919-12-01
Page
511 (sequence 4)
Language
German
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ürtgasn und die Juden S11 stand, daß sie sich der Rätersgisrung nicht zur Bsrfügung steKten. Wie wenig gerade dis jüdische Bevölkerung Ungarns mit dem Kommunismus sympathisierte, zeigt der verhältnismäßig große Prozentsatz, den das jüdische Element unter den Flüchtlingen aus Sowjet- Ungarn ausmachte. Und nun die Presse? Die mit jüdischem Unternehmerkapital begründete bürgerlich-liberale Presse Budapests hat die verhängnisvolle Linksschwenkung Karolyis nicht nur zum großen Teil nicht mitgemacht, sondern auch ihre warnende Stimme gegen das' politisch« Draufgängertum Karoly is erb o b en. Man lese die Artikel des „Pefter Lloyd" nnd des -,Pesti tzirlap" aus jenen Tagen. Der „Pefter Lloyd" wurde unter Karolyi sogar vorübergehend eingeftAt, weil er es gewagt hatte, an dem Mlitärprogramm Karolyis eine abfällige Kritik zu üben. Nach Einführung der Räteregierung wurde die liberal« Presie Ebenso mundtot gemacht, wie die übrige bürgerliche Presse. Es gab unter der Räteregierung keine jüdisch und keine christliche Presse, da der gesamten Presse die Artikel, die sie bringen durfte, von der bolschewistischen Regierung, in feixen Dienst jüdische und nichtjüdische Federn standen, fertig geliefert'wurden, mit dem Zwang, sie abzudrucken. Daß gerade die „judenliberalen" Blätter zur ungarischen Sowjetregierung besonders innige Beziehungen gehabt hätten, wird schon durch den Umstand widerlegt, daß der Chefredakteur des „Pefter Lloyd", Josef Vefzi, und der Chefredakteur des „Pesti Hirlap", Lsgradi, sich unter den Männern befanden, die die Räteregierung etwa einen Monat nach Antritt ihrer Herrschaft unter der Beschuldigung gegenrevalutionärer Umtriebe verhaften ließ. Ein Wort noch über das Verhalten der beinahe 2 Millionen Mlenden deutschen Bevölkerung Ungarns. Schon unter der Regierung Karolyi wurde ein „Deutscher DoÄsrat in Ungarn" gebildet, der in engstem Einverständnis mit Karolyi arbeitete. An die Stelle dieses Volksrats trat nach Bildung der Rätersgierung ein deutscher Bolksbeauftragter Heinrich Kalmar (Nich-tjude), der Hand in Hand mit Bela Kun arbeitete und namentlich in Westungarn propagandistisch tätig war, um dieses später durch den Frieden von St. Germain an Deutschöfterreich gefallene Gebiet für Sowjetungvrn zu retten. Neben der nationalen Partei trat während der Räterepublik -eine deutschsozialistische Partei in den VorderMund, die sich, trotz ihrer Zusammensetzung aus arischen Mitgliedern, völlig auf den Boden der kommunistischen Ideen stellte. Auf einer der Versammlungen dieser Partei, der Schreiber dieser Zeilen beiwohnte, wurde zwar das Deutschtum als maßgebsuder Kulturfaktor iu Ungarn hingestellt, aber Vertreter bürgerlicher Anschauungen und des Bauerntums kamen neben den extremen Sozialisten gar nicht zu Worte. Keinem vernünftigen Menschen wird es beifallen, das ungarische Deutschtum deshalb für den Kommunismus in Anspruch zu nehmen! Warum wird beim Judentum mit anderem Maßstab gemessen? Me Wahrheit ist, daß nicht das Judentum, sondern di« Ueberspannung des ungarischen Nationakbegrisfes und das Festhalten an

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