Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1919)
- Article
- Ungarn und die Juden
- Date
- 1919-12-01
- Page
- 512 (sequence 5)
- Language
- German
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3m deutschen Reich 518 veralteten WirLMrstsformen das Gefüge des ungcrrifchen Staates schon in Friedenstzerten gelockM haben. Der Ungar ist zwar ritterlich und tapfer, in wrrtfchsftspolitischer Hinsicht aber bequem und von geringer Unternehmungslust. So konnte es geschehen, daß dieungarische Bauernschaft sich durch Jahrhunderte von einer aristokratischen Oligarchie, die den ganzen Boden unter Wenigs Bevorrechtete verteilte, aüSnützen ließ, während im Handel das jüdische als das Wirt», schaftlich regste Element die Oberhand gewann. Die Industrie in Ungarn ist noch in den Kinderschuhen, aber wenn sie überhaupt vor dem Kriegs einen Anlauf nahm, so hat sie das jüdischem Unternehmersinn zu danken. Den Juden aus dieser Betriebsamkeit einen Vorwurf machen zu wollen, hieße, ihre Bedeutung für das Wirtschaftsleben völlig verkennen. Sacheeiner vernünftigen Politik wäre es, daS Wische Element nutzbar in das ungarische Volkstum einzugliedern, gegen unlautere Elemente, sei es auf politischem, fei ei aus wirtschaftlichem Gebiet nachsichtslos vorzugehen, den übrigen aber die Möglichkeit zu freier und ungehemmter Entwicklung zu geben. Dadurch und nicht durch hichersüllts und unmotivierte Aus« stremnHen gegen dcrZ Judentum wird der ungarische Staat wieder aus dem politische« Chaos zu geordneten Zuständen zurückfinden. Zeitscharr. Es gab Optimisten, die glaubten, die antisemitische Bewegung sei abgeebbt. Seit einigen Wochen verschwanden die antisemitischen Flugblätter von den Straßenecken. Die Stimmen des „Deutschen Wochenblattes", der „Deutschen Zeitung" und der ähnlichen Blätter ertönten ein wenig leiser. Die offizielles alldeutsche Presse konnte sich nicht genugtun in Erklärungen, daß sie mit dem „Radau-Antisemitismus" nichts zu tun habe, und daß sie nicht daran dächte, den Juden auch nur ein Härchen zu krümmen. Wer es aber verstand, hinter die Kulissen zu schauen, der merkte, daß im verborgenen nur noch eifriger im Sinne der Judenhetzer gearbeitet wurde. Es war die Ruhe vor dem Sturm. Und nun scheint der Sturm daher zu brausen. Die Verhandlungen vor dem UntersuchungsausschußderNationalversammlung gaben das Signal. Es ist die alte Taktik: die Dinge, die dort zur Sprache kommen und die bisher der großen Masse des deutschen Volkes verborgen gewesen sind, sind offenbar den Herren, die die Verantwortung für das, was früher geschah, tragen, recht unsympathisch. Die Mißstimmung des Volkes gegen sie, die in den letzten Monaten dank einer geschickten Politik sehr geschwunden ist, könnte steigen, und das muß vermieden werden. Und dazu genügt es nicht, daß man die Ergebnisse der Verhandlungen in geschickter und den Mecken entsprechender Aufmachung den anderen vorsetzt, sondern es muß