Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 11 (November 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / B. S.
- Date
- 1919-11-01
- Page
- 472 (sequence 6)
- Language
- German
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472 .chsn Reich HAusurgsr S. Aus einer in Wisn ahgehaltesen christlichsozialen L^asj-^oersammlung entwickelte' der Wgeordnete Kunschak das PrsgrcrnM seiner Partei zur Lösung der Judenfrage in Wien und Deutsch-Oesterreich, das unter stürmischen: Beifall zum B e s ch l u ß erhoben w u r de: sofortige Absch iebung oder Internierun g aller seit August 1919 eingewauderren Juden; Erklärung der Juden als eigene Nation; Konfesfionswechsel hebt die Zugehörigkeit zur jüdischen Nation nicht auf; Anlegung eines Juden--Katasters: Schaffung einer I udenkur ie für alle Wahlen; Schaffung eines j ü disöhen Staatsamt es nach der Art der ehemaligen "Lands? nrannministerien; Zulassung der Juden zum Staats-, Landes- und Gemeindedienst nach Maßgabe ihrer Volks zahl; Ausschluß voh Lehramt und Errichtung eigener Schulen. : Ilm dieses weit ausgreifende Programm richtig zu würdigen, muß man folgendes erwähnen: Herr Kunschak ist, wie schon sein Name bezeugt, nicht deutscher, sondern tschechischer Abkunft, gleich vielen anderen der lautesten antisemitischen Schreier, z. B. der ehemals berüchtigte Greg orig oder BielohlaveL Das waren Söhne eingewanderter Tschechen, die zeitlebens nicht gut Deutsch konnten. Me Söhne wurden die eifrigsten Wächter der Reinheit germanischer Rasse ohne Befleckung durch das Semiteutum. Ws der Krieg ausbrach, gestalteten "sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in Wien mit einem Male geradezu verzweifelt; die Hänsermieten sanken, der Warenabsatz stockte, das Kapital verschwand vom Geldmarkt. Die vom Osten zuströmenden Flüchtlinge, die alles mobile Kapital mit sich genommen hatten, brachten frisches Leben hinein, füllten die durch die Mobilmachrmg leergewordeuen Wohnungen, waren die erwünschten Abnehmer für die aufgestapelten Waren und für die vom Lande hereinströmenden, leichtverderblichen Lebensmittel. Inzwischen hatten die ersten sechs Wochen &e§ Krieges der Heeresleitung bewiesen, daß die Juden in Galizien und der Bukowina das einzige zuverlässige, staatstreue Element bildeten, mtf das man sich unbedingt verlassen konnte, während Rumänen. Ruthenen urö sogar Polen den grauenhaftesten Verrat übten. Jüdische Offiziere und Beamte wurden denn auch in diesen beiden Ländern auf die gefährlichsten und verantwortungsvollsten Posten gestellt. Die heldenmütige Treue der Juden zu Oesterreich während der russischen Invasion wurde von der Regierung und den obersten Heeresstellen wiederholt rühmend und mit warmem: Dank hervorgshoben. Das hat ihnen den Haß und Zorn der poknischen N a t i o n a l d e m o k r a t i e zugezogen. Im -Krakauer nationaldemokratisch - antisemitischen „Glos N a r o d u" rechtfertigte der polnische Publizist Eholaniecki den Lemberger Pogrom ausdrücklich damit, daß die Juden ein zweifaches Verbrechen begangen haben: Sie haben für sich „nationale Autonomie" gefordert und während des ganzen Krieges zu Oesterreich gehaltent Daß in Wien noch iurmer zahlreiche jüdische Flüchtlinge sich aufhalten, hat seinen Grund darin, daß in Galizien die Polen und in der Bukowina die Rumänen seit dem Zusammenbruch Oesterreichs