Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1919-11-01 · Heft 11 (November 1919) · p. 471

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 11 (November 1919)
Article
[Ohne Titel] / B. S.
Date
1919-11-01
Page
471 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
address
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316888-2316898--30500-2356687
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jüdische L 47! der deutschen Delegierten mitgeteilt, w«. -eins Verlesung in der Sitzung «erbaten und sich bereit erlläucst, euu Erklärung abzugeben. Es war ein Augenblick voll Spannung, als der deutsche Delegierte Dr. Spiecker in englischer Sprache sich folgen, dermaßen aussprach: „Ich freue mich, Ihnen zu sagen, daß nach wiederholter, sorgfältiger Ueberlegung wir einstimmig beschlossen» daß ich Ihnen Mitteilen soLe: wir fünf deutsche Delegierte an «dieser Konferenz betrachten die Verletzung der belgischen Neutralität persönlich als ein moralisches Unrecht- Wer nun möchte ich noch einige Worte beifügen, nicht als eine Erklärung, sondern um eine Tatsache zu konstatieren. Schon ehe wir hierherkamen, wußten wir, daß dies die kritische Frage der Konferenz sei, wenn ein harmonisches Zusammenarbeiten mit unseren französischen, belgischen und italienischen Brüdern möglich und wirklich werden sollte. Am 1. Oktober abends folgten wir alle der Einladung der französischere Delegation. Nach einer ausgiebigen Diskussion erhoben wir uns alle, die französischen, belgischen, italienischen und deutschen Delegierten, legten angesichts Gottes und des Erlösers die Hände ineinander und bekannten einstimmig und einmütig-: Wir bekennen (we. ccnfess), wir legen die Hände ineinander, wir verdammen den Krieg, wir verdamruen den Gedanken einer Vergeltung." Die KonfererH faßte außerdem Beschlüffe hochpolitischer Natur betreffs der Mission, des Völkerbundes und des Minoritätenschutzes. Ganz von derselben Art ist das Zusammenhalten der Juden, wenn etwa die deutschen ein „harmonisches Zusammenarbeiten mit ihren französischen, belgischen, italienischen Brüdern" erstreben. Diese. Zusammenarbeit hat ihre Wurzel in der religiösen Zusammengehörigkeit, und sie erstreckt sich auf alle Juden, die sich zu dieser Zusammengehörigkeit bekennen und sie betätigen. Wer das zu tun aufgehört, hat sich selber außerhalb der jüdischen Gemeinschaft gestellt und kann an dieser Zusammenarbeit nicht mehr te'rlhaben. Wer diese Zusammenarbeit „v ö l k i s ch e s Zusammenhalten" nennen will, mag es ja tun, aber die mißbräuchliche Anwendung des Wortes ändert den Sinn der Sache nicht im geringsten. Die „Arbeitsgemeinschaft Mischer Studenten" ist vollkommen im Recht, wenn sie sich dagegen auflehnt, daß man von Juden ein ehrenwörtliches Bekenntnis zum Deutschtum verlange, äje man sie würdigt, als Gleichberechtigte im Studeutenausschug zu sitzen. Allein, sie möge bedenken, daß sie diese Verwirrung lediglich der Agitation unreifer, jugendlicher Hitzköpfe verdankt, die unverständliche Schlag- Worte in die Oefferrtlichkeit geworfen haben. Der unverantwortliche Leichtsinn rächt sich. In die Studentenschaft ist die Brandfackel des nationalen Haders geworfen worden; es wird, fürchten wir, schwere Mühe kosten, das Feuer zu löschen. * « & Die Wiener Antisemiten (Ehristlichsozialen), die seit „Ausbruch" des Friedens wieder angesangen haben, sich kräftig zu regen, haben das Judenproblem noch viel gründlicher gelöst als die Beachtet die Anzeige: ” Gabriel Riesser” Verlag!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.