Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 11 (November 1919)
- Article
- Zum 9. November
- Date
- 1919-11-01
- Page
- 461 (sequence 2)
- Language
- German
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Zunw9. November 4SI nicht, weil Lu gehaßt wirft, Vaterland, da nichts ist und also sei auch nichts, dich zu schämen, du werdest mm gehaßt von der halben oder von der ganzen Welt; aber schäme dich oder schäme dich nicht, hälb oder ganz die Juden zu hassen, so bleibt wahr und immer der Mühe wert, dir oder den Fischen vorzupredigen: Der Juden» hast sei dem Deutschenhaß ähnlich wie ein Wasser dem andern: Dieselbe erbärmliche moralische Kritik und Klatscherei, dieselbe Entstellung des Bildes von den Gehaßten, dieselbe Verleumdung ihres Geistes und Gemüts bis in den letzten, tiefsten Grund, dieselbe Mythologie der Verleumdung; Haß wie Haß; ein' vollkommenes Duett aus der gleichen Bewegung der Gemüter!" Tiefer noch wird aber im Auslande, in der Diaspora, heute der Deutsche, der Deutscheustämmling diesen Haß verspüren, und die Deutschen jüdischer Abstammung sind von nun ab -doppelte, die jüdischen Preußen gar dreifache Juden geworden: mm ihres Deutsch, rums, ihres Preußentums, ihres Judentums willen, eine Haßtortur dritten Grades. Zu einem Indianerhäuptling kam einst ein Missionar und suchte ihm die Bedeutung der zehn Gebote verständlich zu machen. „Böse ist", Hub er an, „wenn dein Nachbar dich mir deinem Weibe hintergeht." Beifällig nickte die Rothaut. „Was ist -also gut?" fragte der weise Mann weiter. „Gut," antwortete der Häuptling, „ist, wenn ich meinen Nachbar mit seinem Weibe hinteraehe!" Diese kleine Erzählung kommt mir stets in den Sinn, wenn gerade die Kreise, die Vaterlandsliebe in Erbpacht genommen zu haben glauben, mit zweierlei Zungen reden und mit zweierlei Maß messen. Sie, Gehaßte und Hassende zugleich, gerade sie sollten das feinste und tiefste Empfinden haben für das Widersinnige und Verwerfliche eines solchen Kampfes. Und Predigen dochweiter irdische Vergeltung und Rache und Haß. Nicht entblöden sich Wächter der höchsten Sittlichkeit, Gottesdiener, in die antisemitischen Fanfaren zu stoßen. — Und Friede auf Erder,?! — Alchimisten, die aus bleiernem Haß goldene Menschenliebe zaubern wollen! Der streitbare Herr Pfarrer vr. Rump ist bei einem vom „Treubund" veranstalteten deutschnatioualeu Konzert in Berlin am 15.-Oktober 1919 nach der Rede des Grafen Westarp gegen die „Verräter-des Deutschen Reiches" hergezogen. Als Zwischenrufer aus-dem Publikum die Juden -als Ursache des Zusammenbruchs bezeichneten, erwiderte er: „Nein, wir wollen gerecht fein, nicht die.Juden, sondern der jüdische Geist, der in manchen christlichen Häusern gewaltet hat!" .Sein Kollege, der Abgeordnete Pfarrer Traub, hat am 19. Oktober 1919 in einer Versammlung der T^utfchnationalen Partei in Köln betont, ,,d a ß d i e P a r L e i s i ch n i ch t gegendieJud eti all Personen oder A n h an ger eines anderen Glaubens wende, sondern daß sie gegen den Zer- -s-etzenden Gei-st in unserem deutschen Vo!te Tampfen, tute er von jüdischen Kreisen geübt wird!"