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Im deutschen Reich · 1919-11-01 · Heft 11 (November 1919) · p. 460

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 11 (November 1919)
Article
Zum 9. November
Date
1919-11-01
Page
460 (sequence 1)
Language
German
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Im deutschen Reich tSS Zrrm S. Novemher. Bon I)r. Walter Leiser/Berlim ,1318. Die Kanonenschläge an der Front verhallen. Zum letzten Male Wendern 'ScheiuiwsrferbatiLLien dichtweiße Lichtkegel - in die Finsternis, um die Zukunft suchend abzutasten, und verlöschen zischend. Eine einsame Leuchtkugel fällt vom Firmament; in ihrem Wlblauen Scheine erstarren die gespenstisch huschenden Schytten der Totengräber/die ihr eigenes Grab schaufeln. Grxller Witz des Mündungsseuers zerreißt sekundenlang die Nachtschleier. Z u m letzten M al i Ein Schrei von Lust und Schmerz, Jahre, Mewfchenalter unterdrückt, entringt sich der übervollen Brust, sinder tausendfältiges Echo, wird millionenfach zurückgeworfen. — Komm an mein Herz, Bruder! Du, und du, und du! Laßt uns trinken den Trank der Menschenliebe, laßt uns singen dashohs Lied des Menschentums. Seid umschlungen, Millionen! — Was du als warMraucheuden Klumpen zuckenden Muskelfleisches bislang hast schauen müssen, Bruder, Köstliches birgt es, mein Herz; Heilserum für die Welt, Heilige Liebe!-Und mit dem Fäll der letzten Leuchtkugel steigt empor der Hofsnungsstern der neuen Freiheit. Eist Wchen geht durch die Lust, unsichtbarer FlügelschlW des Pälmzweigtragenden Engels; die ersten Worgenstrcchlen verkünden den heranbrechenden Tag der Bölßerversöhnung, Völkerverbrüderung, Menschenerlösung- — 1919. Dies alles liegt hinter uns, weit hinter uns, ein Jahr, Jahrzehnte? Nicht die Rotation des Erdballs, sondern das mehr oder weniger rhythmische Schwingen zwischen Höhen und Niederungen des Lebens ist uns Zeitmaß. — Und wieder hängen düstere Wolkenschleier am Horizont, und kein Licht scheint in der Finsternis. In der Welt aber zieht der Haß seinen Siegeslauf, in Lichten Nebelschwaden hie und da aufblitzende Sonnenstrahlen aussaugend. Haß, heiliger Haß, hüben wie drüben. Und singen dashohe Lied des. Menschentums. Das hohe Lied —ein Hatzgesang? --- Todwund liegt unser Vaterland am Boden. Versuchsobjekt verschiedenster Lehrmeimmgen, die alle-zugleich ihre Arzneien dem widerstandslosen Körper eingeben. Und nimmer werden sich in derAtmosphäre beizenden Hasses die Wunden schließen. „KeinReichin der Geschichte ist von seinen Zeitgenossen so gehaßt und verachtet worden, wie Deutschland", sagte Bonär Law in einer Londoner Rede. Was an Minderwertigem, Unmoralischem, Eklem und Verabscheullngswürdigem es gibt, all das heißt heute „Deutsch" im Auslände. Hatz, riesengroß, beispiellos.; . Und erstaunt, empört, verständnislos starrt der Deutsche in das Trommelfeuer ungeheuerlichster Anschuldigungen, kämpft, gegerr Feinde, .die er. nicht sieht, gegen Waffen, die er nicht ftennt, gegen eine Strategie, die er nicht versteht. Haß, riesengroß und doch N'tcht beispiellos. , s Kein Geringerer als Konstanün Brunner*) sagt: „Schäme dich : *) Konstantin Brunner, Deutschenhaß, Judenhaß und Judenhaß btz Deutschen. Verlag Oesterheld & Co. Berlin 1919.

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