Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1919-10-01
- Page
- 423 (sequence 4)
- Language
- German
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U-MschüL 423 Das TMZM - politische Ergebnis djieses Unkulturprozesses ist Pie Erkenntnis, daß die Diktatur des Proletariats den Abschaum der Menschheit in die Höhe spült; daß sie den Spruch: „Freie Bahn dem Tüchtigen" nmwandelt in den Spruch: „Freie Bahn den grausamen und tierischen Instinkten;" daß bei einer Diktatur des Proletariats, selbst wenn die Führer vom Idealismus getrieben, von reinen weltverbessernden Grundsätzen geleitet werden, die Ausführung urmreigerlich in schmutzige Hände des Lumpen- und Kellerproletariats übergeht. Dieses hat die Fäuste, die Rücksichtslosigkeit, hat keine Hemmung des Gewissens, der Kultur und der Herzensbildung. Die Münchener Rate-Republik ist schon nach drei Wochen Herrschaft zusammengebrochen. Zu ihren gräßlichsten Erinnerungen gehört der Mord an den Geiseln, unmittelbar bevor München von den Regierungstruppen befreit wurde. Ein anderes politisches Ergebnis hat dieser Prozeß gegen Verbrecher, Zuhälter, Alkoholiker, Syphilitiker, Größenwahnsinnige nicht gehabt, obgleich der Erste Staatsanwalt in seinem nicht sehr sympathischen stundenlangen Plaidoyer das völkische Moment wieder in den Vordergrund zu rücken suchte. Und damit wird den Antisemiten eine Waffe aus der Hand gewunden, die sie bereits ausgiebig gegen die Juden benutzt haben. „Bei der Ermodrung der zehn Geiseln wurden germanische unschuldige nationalsühlende Menschen von Fremden gefoltert, Deutsche wurden aus Befehl Judas ers ch o s s e n." So und ähnlich konnte man in entsprechend auffälliger Ausmachung in reaktionären und antisemitischen Blättern lesen. Die Beweisführung war einfach. Sechs Mitglieder der deutsch-völkischen Geftllschaft „Thule", die auch im Zusammenhang mit dem „Germanenorden" steht, gehörten zu. den Geiseln. An der Spitze der Räteregierimg standen zum Teil Juden, also war die Erschießung nichts weiter, als ein Racheakt Judas an Urgermanen, an deutsch-völkischen Antisemiten. Die wochenlang- BKveisanfnahme im Münchener Prozeß hat zur Betrübnis der Antisemiten auch nicht den schwächsten Anhalt Dafür geboten, daß bei dem Mord ein konfessionelles oder Rasfen- Motiv mitgesprochen hat. Auch der Erste Staatsanwalt betonte, daß mehrere Geiseln erschossen -wurden, ohne daß sie Mitglieder der „Dhule-Gesellschaft" waren, Professor Berger war sogar selbst Jude. Prinz Thurn und Taxis, Baron Peukert wurden als „Adlige" hingerichtet. Von den 16 Angeklagten war kein einziger ein Jude. Der Befehl zur Tötung der Geiseln, der übrigens gefälscht zu sein schien, ging vom Stadtkommandanten Egelhofer aus; und der Jude Ernst Toller, der Dichter 5er Beachtet die Anzeige: ”Gabriel Riesser” Verlag!