Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1919-10-01
- Page
- 422 (sequence 3)
- Language
- German
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422 Im deutschen Reich neu zu lernen, um sich vor einer noch größeren Abhängigkeit von den Juden zu schützen." Wir machen Lear verümtwortlichen Leiter des „Leo" keinen Vorwurf daraus, daß er die Wochenschrift nicht abgsben und sich feine Haltung nicht dorfchreibeu laßen will. Wir schützen im Gegenteil die Äusrechtheit einer Gesinnung hoch ein, die sich durch Einflüße von außen nicht nirderducken läßt. Wer wir wenden uns §agen die Gesinnung, nicht nur im Interesse des Judentums und nicht nur im Jntereße des Zentrums und des KatholiKismus, die beide stets mit Recht Wort darauf gelegt haben, mit der Judenschaft in Eintracht zu leben (hatten doch &eSb£ Keligion-sgemeinschasiLn in Deutschland unter Bedrückungen rach Zurücksetzungen zu leiden), sondern auch im Jntereße des Deutschtums. Wie die Alldeutschen und die Antisemiten wahrend des Krieges die notwendige Einheit und die noierforderliche StimsrWNg dies Durckchaltens zerstörten durch ihre Hetze gegen jede» anders Denkenden, so wird durch die jetzige, mit äußerster KvasdWftvengnnZ entfaltete antisemitische Hetze das deutsche Bolk, das endlich Rache bteax&fi. mü» Arbeitsamkeit und GemeftWastsgefiM, tem« uMdsc in FLsberZustande versetzt, so daß seine Gesundung in weite Ferne rückt. Ein Geistlicher aber mit an dar Spitze einer solchen Bemegrmg ist weder eine Freude für Gott noch für Menschen. » Der Prozeß gegen dir MSnö^n« GeiselmSr^r, der mit sieben TodesurLeilvollstreckungen und sieben Verurteilungen zu schweren ZuchHtmsstvHen eÄrts, war ursprünglich als politischer Prozeß gedacht, wurde aber allmählich ein SittengemAde mit düster brennenden Farben, die den Mrgen wsh taten und dis Herzen bedrückten. Man versucht, Motive auch zu Gveueltate» zu ergründen und ihre Wurzeln in der Seele zu finden, um wenigstens irgendeinen, wenn auch gestörten Zusammenhang mit menschkcher WesenheÄ Zu entdecken. Hier war kein Menschlichkeitszug. Man versteht Grausarnkit, die in Wut nnd Zorn an einem Gegner verübt wird, der jemandyn fortgesetzt Böses getan hat. Man versteht Allsschr-eikMge«, die aus dem Boden eines Fanatismus, einer Ekstase empo^chießen. Man versteht -che Wucht der Menschlichkeit aus einem durch Leiden, Krankheit, Entbehrungen, Hunger zerrütteten Körper. Aber kaltblütige Grausamkeit, noch dazu an Unschuldigen, Mord an wehrlosen Geiseln unter Begleitumständen vor, während und nach der Tötung, die viehisch zu nennen sind — dies steht außerhalb des Versuches, mildernde Umstände zu finden. Das steht auch fern dem politischen Gebiet. Es war aemeiner bestialischer Mord.