Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1919)
- Article
- Kampf
- Date
- 1919-10-01
- Page
- 407 (sequence 3)
- Language
- German
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Kampf 407 Darauf wollen wir nicht noch einmal zurückkommen, daß viele unter uns sich die Angeblich wissenschaftlichen Beweisführungen unserer Gegner zu eigen machen. Warum und inwieweit das verfehlt und eine Verkennung der Taktik unserer Gegner ist, haben wir betont. Aber es ist ein anderes und nicht minder Bedeutungsvolles zu beobachten. Man sagt vielfach, daß einzelne Erscheinungen innerhalb des Judentums der antisemitischen Bewegung Nährstoff liefern. Es ist sicher, Laß sich auch unter uns räudige Schafe finden. Aber warum sollen denn immer nur wir die unter uns, die sich frevelhaft benehmen, vor aller Oeffentlichkeit abstoßen? Warum verlangt man nicht ein Aehnliches einmal von den Nichtjuden? In der gleichen Weise, in der bei uns gesündigt wird, wird auch bei den anderen gesündigt. Es ist das gerade im Hinblick auf die Vorgänge in der deutschen Politik nicht nnintereffant, daß wir in einem Augenblick der äußeren Bedrückung geneigt sind, alle Schuld auf uns zu nehmen. Wie die deutschen Politiker sich nicht genug daran tun können, Beweise dafür anzuführen, daß alle Schuld an dem Weltenelend die Deutschen treffe, so sind auch unter uns Elemente an der Arbeit, die in unerhörter Weise alle Ursachen der antisemitischen Bewegung nur im Kreise des Judentums zu suchen sich bemühen. Sind sie denn mit Blindheit geschlagen? Sind denn die Juden allein Schieber, Protzen, Gewinnler, Zersetzer? Nicht das Verhalten der Juden ist die Ursache des Antisemitismus. Sehen sie denn nicht, daß es dieser antisemitischen Agitation wahrlich nicht darauf aukommt, eine reale Unterlage 'für die Hetze zu haben, sondern daß sie nur hetzen will? Entzieht man ihr die eine Grundlage, so wird sie im gleichen Augenblick mit einer Kühnheit sondergleichen eine neue Grundlage finden. Darum entwürdigen wir uns nicht vor uns s elbst. Leben wir allerdings so, daß kein auch noch so leiser Vorwurf uns treffen kann. Aber lassen wir Gerechtigkeit an uns nicht zur Würdelosigkeit werden. Und die Mahnung, die Dinge richtig einzuschätzen, möchten wir auch denen zurufen, die uns seit Monaten dazu zu drängen suchen, öffentlich von denen unter uns abzurücken, die sich politisch in den Reihen der äußersten Linken betätigen. Sind es denn etwa die Juden allein, die den Kommunismus predigen? Hat nicht gerade der Münchener Geiselmordprozeß gezeigt, wie es Nichtjuden gewesen sind, die namenloses Unheil über eine blühende Stadt gebracht haben? Hat man irgendwo gehört, daß eine nichtjüdische Glaubensgemeinschaft in öffentlicher Erklärung von diesen Elementen abgerückt ist? Und im übrigen: Jeder vernünftige Nichtjude weiß, daß das Judentum als solches mit