Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1919)
- Article
- Kampf
- Date
- 1919-10-01
- Page
- 406 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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406 Im deutschen Reich Punkt angelangt ist, die Berechtigung des bisherigen Beginnens nachzuweisen. In Maßgebenden Artikeln der Blätter, die nicht gerade auf den „Radauantisemitismus" abgestimmt sind — diese Organe werden ja niemals ihre Tonart ändern — wird darzulegen versucht, daß die antisemitische Bewegung keine Hetze zur Gewalt treibe, sondern eine wissenschaftliche utiö wirtschaftliche Berechtigung im Volksleben darstelle. Abgestimmt wird diese Formel auf den Ton, daß die Bewegung eine Rassenfrage sei, und daß sich aus dem Rassengegensatz die psychologische Notwendigkeit des Freindseins und damit auch die Berechtigung des wirtschaftlichen Kampfes gegen die Juden ergebe. Gegenüber all den Versuchen, der antisemitischen Bewegung eine haltbare Grundlage zu geben, haben wir mit aller Entschiedenheit das eine festzustellen: Esgibtkeinen Antisemitismus, der berechtigt ist. Dadurch unterscheidet sich die antisemitische Agitation von jeder anderen politischen Strömung. Jede politische Parteipolitik hat ihre Berechtigung. Eine Bewegung aber, deren ausschließliches Ziel es ist, eine Gesamtheit von Menschen zu entrechten, herabzusetzen, zu schädigen, ist in keiner Weise haltbar. Man kann sich in keinem Punkt ernsthaft mit den Argumenten unserer Gegner beschäftigen. Man kann von keiner Seite aus mit wahrhaft wissenschaftlichen Mitteln den Kampf mit ihnen aufnehmen. Immer und immer wieder muß erkannt und festgestellt werden, daß von der Gegenseite kein wirklich politischer, sondern ein letzten Endes egoistischer und verbrecherischer Kampf geführt wird. Und stellt man sich selbst einmal auf den Boden derer, die da bchaupten, das Judentum bilde eine Rasse, die sich in ihren anthropologischen Eigenarten von ihren Mitmenschen unterscheidet, so ist auch dann mit den Antisemiten nicht zu rechten. Denn was sie wollen, ist ja nicht die Feststellung dieser Unterscheidung, ist ja nicht das Verlangen von uns, diese Gegensätzlichkeit anzuerkennen. Es ist auch hier — nur unter einem anderen Vorwand — das Bestreben, uns in unserem Menschtum anzugreifen. Niemals ist gegen eine Menschenart, die sich rassisch von ihrer Umgebung unterscheidet — soweit das überhaupt möglich ist — ein Kampf geführt worden, der diesen im entferntesten ähnelt. Deshalb keine Anerkennung der Berechtigung irgendeines antisemitischen Argumentes, sondern Kampf, und Kampf bis zum Aeußersten. Es war notwendig, das einmal auszusprechen, weil sich Erscheinungen in den Reihen unserer Glaubensgenossen zeigen, die deutlich machen, daß das hohle Pathos der antisemitischen Argumente nicht ganz ohne Eindruck auf sie geblieben ist.