Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 9 (September 1919)
- Article
- Wenn wir die antisemitische Kampfesweise nachahmten!
- Date
- 1919-09-01
- Page
- 381 (sequence 3)
- Language
- German
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Wenn wir die antisemitische Kampfesweife nachahmten 881 Wird hier die Treulosigkeit des Mannes offen zugeftanden, so heißt es an anderer Stelle^ S. 186: „Das Weib eines andern wolle Du nie zu heimlicher Liebschaft verreiben. Doch die zur erlaubten Liebe Du lockst, um- Freude an ihr zu finden, Schönes versprich ihr und schasst es ihr auch; nie gibst Du zu viel des Guten." Diese Anschauung steht sittlich höher als die erste, reicht aber auch nicht an die Gesetzesvorschriften/wie sie Bibel und Talmud 'enthalten. Bedenklich -aber ist die folgende LeLensrcgel, S. 193, die Dom Vertrauen handelt: „Findest Du wen, dem als Freund Du vertraust, und willst von ihm Liebes erlangen, dann Lausche.mit chm Gesinnung und Gut und ei? Dich, ihn oft zu besuchen. Doch findest Du wen, dem Du wenig vertraust, Du willst aber Vorteil gewinnen, dann rede nur freundlich Lei falschem Sinn; dem Wankelmut lohne mit Lügen. Und weißt Du Dir wen, dem Du wenig vertraust und dessen Sinn Dir verdächtig, dem schlag' nur ein Schnippchen mit schlauem Geschwätz; 'die Vergeltung gleiche' der Gabe" usw. ... 3u dieser Auffassung paßt es, wenn der Mythos vom Frühlingsregen, S. 4-7, mit folgenden Verseil Iminrä: „Ein Ringeid war es, den Wodan schwur. Wer darf seiner Treue noch trauen? 'Den Suftung betrog er um seinen Trank" usw. In 'seinem Gott erkennt man den Menschen wieder. Wie aber 'kommen die alten Germanen zu solch orientalischen Auffassungen; Denn Falschheit und Verstellung war doch nicht ihre Sache? In interessanter Weise schildert die Edda die Entstehung der drei Stände, der Unfreien^ der freien Bauern und des Adels, aus dem der König hervorgeht. Die Unterschiede in Wohnung- Kleidung, Nahrung und Beschäftigung sind sehr kratz, die Grenzen zwischen den Stünden scharf gezogen. Das Kastenwesen Indiens verrät den gleichen Ursprung. Parias und Unfreie sind mißachtet und gedrückt. Doch hören wir die Edda selbst: „Nun. vergingen neun der Monde, und Ahne bekam ein kohlschwarz Kind; sie netzten's mit Wasser und nannten es Knecht. Zu wachsen begann es und wohl zu gedeihen, doch runzlige Haut behielt's an den Händen, krumm war der Rücken ihm, knotig die Finger, breit seine Fersen, ein Fratz sein Gesicht. Arbeit kriegt er, die Kräfte zu üben im Bastbinden und Bürdenhäusen. im Reiflggeschlepp den geschlagenen Tag. Da humpelteeine mal in ihren Hof mir wunden Sohlen, versengten Armen, gedrückter Nase, Dirne genannt, — usw. Daher stammt der Stand der Knechte." . Ich habe es unterlassen, die Namen der Kinder dieses Paares rrnLzuteilen, da Wolzogen sie verdeutscht hat. Entsprechen sie. aber den altnordischen, so liegt darin die Verachtung dieses Standes offen ausgedrückt. Es versteht sich, daß der f r e i e B a u e r in der Schilderung besser davonkommt. Zwar „kriegt -auch er Arbeit, die Kräfte zu üben im Stier esühren und Feldbestellen, im Balkenschlagen und Scheuuenbauen. als Karrenkünstler mit Karst und Pflug. Da fuhr einst dem Bauer die Braut in den tzof, Schlüssel am Gürtel, im Geißfellkleid und .geschmückt mit -dem Mantel" usw. Bon den Edlen heißt es: „Aus bestreutem Estrich saßen zwei und sahen sich an und trieben nur Spiele zum Spaß mit den Fingern. Vater, der Hausherr, hielt einen Bogen und spannte die Schnur dem gespitzten Beachtet die Anzeige: ”Gabriel Riesser” Verlag!