Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 9 (September 1919)
- Article
- Wenn wir die antisemitische Kampfesweise nachahmten!
- Date
- 1919-09-01
- Page
- 380 (sequence 2)
- Language
- German
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Im deutschen Reich 380 interessante Aufklärungen. Ich möchte aber von vornherein bemerken, daß meine Achtung vor jenem durch das Alter geweihten Schriftendenkmal viel zu groß ist, als daß ich es in antisemitischer -Weise (ich erinnere an die vielen gefälschten oder entstellten Talrnudzitate) mißbrauchen möchte. Um nun auf jene „echt orientalische Sitte" der Polygamie zurückzukommen und zu sehen, daß sie durchaus nicht gegen das aermauisme Herkommen verstieß, können wir die Freite des Königs Sawertwart anführen. Ich zitiere die Edda nach Hans v. Wolzogen, S. 231*): „Schwertwart hieß ein König: der hatte vier Frauen; die erste hieß Alfhild, deren Sohn war Hedin; die zweite hieß Seereite, deren Söhn hieß Dämmerling; die dritte hieß Si-nnroth, deren Sohn war Schlrnnmerling. König Schwertwart hatte ein Gelübde getan, die Frau (noch dazu) zu ehelichen, die er als die schönste erkenne" usw. Der König sandte nun einen Boten namens Etzel aus, um Sieglinde, die Tochter des Königs Schläferers, zu gewinnen. In einem Zwiegespräch sagt Etzel zu einem Vogel, der ihm Kunde von Sieglinde gibt und dafür Lohn (ordert: „Wähle nur Schwertwart weder, noch dessen Söhne und holde Herrschertöchter und auch die Frauen des Fürsten nicht." Wir sehen also, daß in der Edda von der Vielehe als von etwas ganz Selbstverständlichem geredet wird. — Daß übrigens Wodan — Hammer-Fritsch wird mir hoffentlich verzeihen — mit dem ZeuZ der alten Griechen in bezug auf Liebesabenteuer wetteifern kann, geht aus einem Lied „Der Götterzank", 'S. 67—74, hervor. Wodans Charalterisierung ist derartig, daß er wegen seiner orientalischen Sitten unbedingt in den Sermgotha ausgenommen werden müßte. So rühmt er (S. 69): „Heitere Weiber hatten wir, wenn sie erst zahmer uns wurden; kluge Weiber hatten wir, wenn sie erst holder uns waren" usw. „Bei sieben Schwestern schlief ich so und besaß sie alle mit Seel und Leib." Wer auch in anderer'Weise wird Wodan nicht als der Inbegriff der Sittlichkeit geschildert. Er stiehlt dem Riesen Seebord, der ihm einen Zauberzweig geschenkt, den Verstand, so daß Donner (Thor) ihm zuruft: „Gute Gabe der-- galtst du mit argem Sinn." Der Donner verhöhnt Wodan wegen feiner Feigheit in einer Weise, die hier nicht wiedergegeben werden kann. Wolzogen sagt in der Einleitung zu dem Gedicht, es „verrat sich durch die Sprache schon als ein jüngeres Produkt einer nicht besonders höfisch-anständigen und kunstvollen Skaldenpoesie", immerhin stammt es aber aus einem Zeitalter, das dem germanischen nahelag, wenn es nirHt noch selbst dazu gehörte. Würde ich die antisemitische Kampfesweise nachahmen, so konnte ich etwa folgendermaßen fortfahren: Wenn wir ein Bild von der germanischen Denkweise gewinnen wollen, so brauchen wir nur die Lebensregeln der Edda zu 'lesen. Auf 'S. 196 heißt es: „Mit schönen Reden und reichem Geschenk erwirbt man die Gunst dsr Weiber. Mit dem Lobe der minnigen Mädchengestalt sängt man die. um die man freite. Doch Leicht ich es ehrlich, mit beiden bekannt: Mannslieb zum Weibe ist windig; wir denken schlecht und schwatzen schön und trügen der Klügsten Vertrauen!" *) Reclam-Ausgabe.