Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 9 (September 1919)
- Article
- Wenn wir die antisemitische Kampfesweise nachahmten!
- Date
- 1919-09-01
- Page
- 382 (sequence 4)
- Language
- German
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882 Im deutschen Reich Pfeil. Mutter, die Gattin, glättete Falten und zupfte öeäugelnd deu Aermel am Arm" ufw. Diese Probe möge genügen zur Kennzeichnung der germani-- ichen Anschauungsweise. Daß sie zu der jüdischen in einem stritten 'Gegensatz steht, dafür diene zum Beweise der talmudische Satz: „Es wurde nur ein Mensch geschaffen um des Friedens in der menschlichen Gesellschaft willen "damit nicht ein Mensch zum andern sagen 'könne, mein Vater war vornehmer als der Deine." Mischna sanhedrirr IV, 5. Und daß auch in Bibel und Talmund die Arbeit anders bewertet wird, daß z. B. Saul als König nicht „mit den Fingern zum Spaß spielt", sondern auf dem Felde wie ein Knecht arbeitet, sei nur nebenbei bemerkt. Und doch verschmäht dieser semitische König mit dem Knechtessinn nach einem verlorenen Kwieg die "Schmach der Gefangenschaft, und sucht, in „echt germanischer Weise" hätte ich beinah gesagt, den Heldentod. Es ist eine beliebte antisemitische, aber durchaus unmoralische Kampfesweise, den einen für die Sünden anderer büßen zu lassen, und daher verschmähen sie es auch nicht, das jüdische Schrifttum zu durchstöbern, um Aussprüche einzelner Personen, die vor Jahrtausenden gelebt haben, uns heute zur Last legen zu können. Sie sind glücklich, wenn sie etwas Derartiges gefunden zu haben glauben. Es sei mir gestattet, den Spruch des Propheten Ezechiels anzuführen: „Ein Sohn soll nicht mittragen die Schuld des Vaters, und der Vater nicht die Schuld des Sohnes." Sollen aber jene zum Teil gefälschten oder entstellten Talmudzitate dazu dienen, eine Minderwertigkeit der semitischen Rasse zu beweisen, dann bitte, meine Herren Antisemiten, studieren Sie die Edda; vielleicht kommen Sie doch zur Erkenntnis: „Mängel und Tugenden trägt gemischt das Wesen der Erdenberoohner" ohne Unterschied des Glaubens oder der Rasse. Zrrgsnd und Mbwehrkampf. Bon Rechtsanwalt Lichtenberg - Hannover. Mehr denn je erhebt der Antisemitismus heute sein Haupt. Die Gefahr ist drohend undunmittelbar. Ihr mit allen Mitteln zu begegnen, ist heute die Auf-gckbe eines jeden einzelnen Juden, der sich keiner entziehen sollte. Bor allen andern aber liegt diese Pflicht der gesamten jüdischen Fugend ob, die heute mehr denn je Träger des Mischen ZukumftsgÄmnkens ist. Es bedarf keines Wortes, daß diese Jugend, wie die Jugend in allen Lagern, eine ganz andere ist, als die vor dem Kriege. In blutiger, verantwortungsvoller Arbeit, unter den größten -Gefahren und Entbehrungen ist ein großer Teil von ihr ungewöhnlich früh zum Manne gereift, ein anderer Teil ist unter dem ständigen Druck der langen Kriegszeit in der Heimat ausgewachsen. Die jüdische Jugend hat darum jetzt viel tiefer den vollen Ernst des Existenzkampfes begriffen, den das Judentum heute führt, und sich sofort bereitgefunderx, ihre Kraft diesem Kampf zu widmen. Wer nur, wenn diese Kraft in die richtigen Bahnen von den berufenen Führern im Mwchrkampf gelerckt