Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 9 (September 1919)
- Article
- Die antisemitische Hetze in der Reichswehr
- Date
- 1919-09-01
- Page
- 375 (sequence 3)
- Language
- German
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Die antisemitische Hetze in der Reichswehr 375 sie hätten unter allen Umständen die Pflicht, jeder Art von antisemitischer Propaganda und Pogromhetze bei der Truppe mit allen Nachdruck en-tgsgenMitreten." Wir schätzen die Macht eines Einzelnen unter den heutigen, von Ordnümg lgider noch wert entfernten Vschaltnissen nicht allzu hoch ein, wir befürchten mich, dcH Herr Noske, trpWenr in seine Hand die Wehrmacht der deutschen Republik gelegt ist und obgleich er als energischer Mann gilt, nicht die Kraft besitzt, die er zu besitzen glaubt. Das stärkste Truppenkontingent nützt nämlich dem Reichswehrminister nichts, wenn sich das Instrument nicht nach seinem Willen handhaben läßt, wenn innerhalb der Reichstruppen Bestrebungen um sich greifen, die gegen die Regierung einschließlich den Rsichswshnmmster MAe gerichtet sind. Es war ein Vorzug des alten RegimLs, daß sämtliche Mlrtärpersonen, vom General bis zum Gemeinen, sich jeder Politik zu enthalten hatten. Die Reichswehr muß unpolitisch sein. Erst wenn Herr Noske dies erreicht hat, wird er, wird die Regierung die erforderliche Macht, und das Land den nötigen inneren Schutz haben. Die entschiedene Antwort Noskes in der Nationalversammlung begrüßen wir. Tatsache ist, daß OWiew der Reichswehr Hve reaktionäre Gesinnung und ihre WneiWnjg gpg-en die Republik ungöstmift betonten, daß sie in den KlHömren anltffempitischtz Agitation zuliKtzen, und daß das Mißtrauen gegen die Reichswehr als eine unzuverlässige Regierungstruppe, — die nur zuverlässig ist im KÄMps gegen Spartakus — in viÄen KveGerr der deutschen Bevölkerung zuniurmt. Bezeichnend ist der Zwischenfall des Obersten Reinhard, des Führers der Reichswehr-Brigade Berlin. Im „Vorwärts" hat ein Offizierstellvertreter Neuendorf bestimmte Vorwürfe gegen den Oberst erhoben. Er soll die Regierung öffentlich ein Gesindel und — was uns speziell interessiert, — die schwarz-rot-goldene Fahne die „Ju d en s ah ne" genannt haben. Mit anderen Worten: Die Fahne schwarz-rot-gold, die von der Nationalversammlung für die deutsche Republik beschlossen wurde, ist Judas Panier. Wenn Herr Oberst Reinhard keine historischen Kenntnisse hat, die Geschichte der Farben schwarz-rot-gold ihm unbekannt ist, weil sein Wissen über das bei den früheren Durchschnittsosfizieren Milche Maß wichst hinauZgeht, so mvg das noch hingchen. Selbst unter den Alldeutschen gibt es viele, die für die Farben schwarz-rot-giosid etntreten; das beweist ein Aufsatz von Lezius-Halle in den „Alldeutschen Blättern" vom 25. August d. I. Wenn aber ein Führer der Reichswehr, dsie eine Schütztruppe für die Regierung sein soll,, die Fahne der Republik eine Judenfahne nennt, so kann man sich einen Begriff davon machen, welche Gesinnung die ihm untergeordneten Offiziere beseelt und welche Gesinnung dem einfachen Soldaten einzuimpfen versucht wird, — direkt oder indirekt. Herr Oberst Reinhard hat aus die Vorwürfe im „Vorwärts" geantwortet in einer soldatisch-schroffen, provozierenden Art, aber er hat in seiner Antwort die ihn; vvrgewvrftEn Aeußerungen