Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 9 (September 1919)
- Article
- Die antisemitische Hetze in der Reichswehr
- Date
- 1919-09-01
- Page
- 376 (sequence 4)
- Language
- German
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373 Im deutschen Reich nicht Gestritten. Eine halbarntlichs FeWMung Äemsntierte hinterher einen Seftf der Vorwürfe. * Herr Noske hat in seiner Rede mitgeteilt, daß er die schleunigste Entfernung eines Mannes ungeordnet habe, «dem antisemitsche Hetzereien in der Truppe nachgewiesen werden konnten. ' Dieser Maicn ist der ehemalige Eisenbahnpionier I o's ef Knauer, der frühere HaupLgeschüstsführer des antisemitischen Deutschen Volksbundes in Berlin-Schöneberg. Es ist einer der Unterzeichner der bekannten Propagandaflugblatter, die den Titel führen: „Die Juden — Deutschlands Vampyre" und „Ende des Militarismus — Anfang der Judenherrschaft". Wir haben Herrn Knauer in unserer Zeitschrift schon wiederholt ins 'lieblose Gesicht geleuchtet. Von besonderem Interesse ist ein Brief, den er am 11. Februar d. I. an den Verein zur Abwehr des Antisemitismus gerichtet hat und welcher zeigt, daß dieser radikalste Gegner des Judentums für jüdisches Geld zu — kaufen ist. Der Brief lautete: ,,Werm Sie mir (Am sofortige pekuniäre Ht £ f e von etwa fünftausend Mark, wenn möglich schon heute, spätestens aber morgen, Mbtwoch, den 12. d. M., zuteil werden lassen, so verpflichte ich mich, mit allen meinen Kräften, und gestützt auf meinen ungeheuren Einfluß auf die gesamte Bewegung in ganz Deutschland und über seine Grenzen hinaus, gegen die gchassigen und fanatischen Strömungen zu arbeiten, um Pogrome und G e w a l t t ätig k ei t en z u v er h i n de r n und nur eine nationale Richtung zu verfolgen, damit auf dieser Basis .Deutschland es möglich gemacht werde. i!n den Völkerbund eintreten zu können. Dv ich? e i n F a n a t i 5 er bin nirb Gehässig keilen sowie Pogrome vermei'den will, hat man mich LeiseAezudrücken versucht; daher bitte ich Sie, da ich für diesen dringenden Zweck aller Geldmittel beraubt . bin, mir umgehend solche zur Verfügung zu? stellen?; gern gebe ich Ihnen mein Ehrenwort uüd d<i.s eidliche 'Versicherung, in diesem Sinne zu arbeitet. Gern will ich Ihnen beweiskräftige FlugblLttor ustd «auch Broschüren ausarbeiten au!f Grund der Kennt nsts des Talmud und -genauen Studiums des Alten Testaments. Auch die Kabbala kenne ich zur Genüge, um sie zur Beweisführung heran« zuzichen." Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hat dem Kabbalakundigen, der sein Ehrenwort selber so gering einschätzt, daß er daneben noch die eidliche Versicherung anbietetüberhaupt nicht geantwortet. Einem solchen Mann, von dem übrigens bekannt mar, daß er auch in Versammlungen (so z. B. in der alten As-kania in Berlin) zu Gewalttätigkeiten gegen die Juden ausreizte, wurde die Leitung des politischen Äufklärungsdienstes bei einem großen Teil der Brigade Lettow-Vorbeck übertragen, und -es bedurfte erst des späteren Einschreitens -des Reichswehrministers Noske, um den charakterlosen Hetzer aus der Reichswehr zu entfernen. Die militärischen Vorgesetzten Knauers haben an feinem üblen Antisemitismus keinen Anstoß genommen, wahrscheinlich in ihm eine Empfehlung für den Aufklärungsdienft, wie sie ihn auffassen, erblickt.