Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 9 (September 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1919-09-01
- Page
- 372 (sequence 6)
- Language
- German
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872 Im deutschen Reich jeder lesen und verbreiten, der sich und unser am Boden liegen« des doppelt geknechtetes Volk freimachen will von jüdischer Herrschaft/' In demselben Artikel behauptet Herr Kunze, daß „wir Antisemiten Wert daraus legen, anständig zu kämpfen", daß füü sie „etwas Hohes und Heiliges auf dem Spiel" stehe. Ein paar Sätze später erzählt er, Laß man in der Geschäftsstelle des deut-> schen Volksbundes noch vier Stück des Gummiknüppels Heda gefunden und beschlagnahmt habe, jenes Verteidigungsmittels, das der Geschäftsmann Kunze, sicherlich mit entsprechendem Profit, vertreibt. Genug, der anständige Knüppelpatriot ist in Aufregung, weil wider alles Erwarten die Regierung es gewagt hat, in seine unheiligen Geschäftsräume zu treten, ohne daß irgendeine Gruppe der Reichswehr mit Flinten oder Maschinengewehren ihm zu Hilfe gekommen ist. Man sieht, Juda herrscht und die — Gemeinheit wird verfolgt, Armes Deutschland! Mit diesem Herrn Kunze hat kürzlich der Chefredakteur und Direktor der „Deutschen Zeitun g", Herr W u l I e , den wir in der vorigen Umschau etwas ausführlicher behandelt haben, eine gemeinsame Versammlung abgehalten. Ein Blatt von den! Kanchsessitten der „Deutschen Zeitung" gehört in der Tat auch äußerlich an die Seite des Herrn Kunze. Das führende Blatt der Alldeutschen setzt damit selber den Gummiknüppel als Symbol in sein Wappen. * Die Alldeutschen haben am 31. August und 1. September in Berlin V e r b an d s t a g u n g e n abgehalten. Die Presse kümmerte sich wenig um die Schimpfereien dieser immer noch größenwahnsinnigen Mnndhelden, die über Deutschland genug Unglück gebracht haben und jetzt nach deutscher Jrredenta, nach dem Schwert, nach den alten Zuständen rufen. Franz von Bodelschwingh, ein Sohn des sozialfühlenden Pastors, bekam es fertig, nach dem Bericht der „Deutschen Zeitung" zu sägen: „Der Krieg ist durch die Juden verloren gegangen; hätten wir keine Juden im Lande, so siegten wir glatt". Wozu schreiben sicherst Ludendorff und Tirpitz die Finger wund, um ihre Schuldlosigkeit zu beweisen? Sie sind schuldlos! Nur das jüdische Blut in ihren Adern, in den Ader» sämtlicher deutscher Generäle und Staatsmänner und in beri Adern des Kaisers hat es bewirkt, daß der Krieg verloren ging. Die U.-Boote hatten jüdisches Oel und semitische Torpedos, sonst hatten sie wirklich binnen drei Monaten die Engländer auf die Knie gezwungen. Und die Geschütze hatten jüdische Pulverladung, sonst würden sie, wie die Generalstäbler Mitte 1918 immer wieder behaupteten, Fochs Reservearmee wirklich vernichtet haben. So verloren wir den Krieg.