Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 9 (September 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1919-09-01
- Page
- 373 (sequence 7)
- Language
- German
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373 Die antisemitische Heyem der Reichswehr Doch wir brauchen der alldeutschen Tagung, auf der) Justrzvat Claß, Freiherr von Vietinghoff-Schsel, einige österreichische Boxerhelden, ein sehr schimpfseliger Herr Jaeobsen aus Hamburg, der von Claß darum belobigt wurde, eine antisemitische Kakophonie aufsührten, nicht mehr Bedeutung beizumessen, als sie verdient. Sie stand auf. einem jo öden Radanredc- Niveau und zeigte eine so beschränkte und verantwortungslose Verkennnung der wirklichen Verhältnisse, daß die hysterisch^ Verzückung eines Redakteurs der „Deutschen Zeitung" dazur gehört, begeistert zu schreiben: „Welche Fülle kluger Gesichter. Eirr Parlament bewußt deutscher Intelligenz. Kluge Gesichter) und kluge Gedanken." Was sind doch unsere Leut für große Leut, schreit der Antisemit in die Welt und fuchtelt dabei mit den Händen. Böse Kampfsitten stecken an. Es gibt Zeiten, in denen man die Blüte edelsten Gemütes, die Rücksicht zerpflückt und sich verpflichtet fühlt, einen groben Keil aus den antisemitischen Klotz zu setzen. Einem Gassenjungen, der Steine nach dir wirft, verwehrst du sein Benehmen nicht, wenn du höflich verlangst, es zu unterlassen. Ein Strolch, der sich dir in den Weg stellt, geht nicht aus freundliche Aufforderung zur Seite. Du mußt mit solchen Nlenschenexemplaren schon anders verfahren, auch wenn es deiner Natur und deiner Erziehung widerspricht. Dies zur Entschuldigung, wenn in diesen Ausführungen häufiger harte Worte ihre Kanten zeigen, und der Ekel zu Ausdrücken greift, die man sonst nicht anwendet. Saphir hat ein kleines Gedichtchen geschrieben, in dem er erzählt, wie eine junge Blumenoerkauferiu unverschuldet mit einer Hökersrau in einen Disput gerät, -schließlich zu erwidern ausbört und nur weint. Auf die Frage, weshalb sie sich die Beschimpfungen jener Frau gefallen lasse, erwidert sie: „Die kann mich mit ihren Kartoffeln bewerfen und ich habe nur Blumen." Wir Juden wollen nicht in der Lage der Blumenverkäuferin sein. Wir wollen zurückschlagen, wenn man uns schlägt. Nur das kann dem Hetzpöbel imponieren. Er schreit bei den ersten Schlägen wie ein „seiger Hebräer", jammert über Gewalt, erfüllt das Land mit Wehgeschrei über jüdische Frechheit, aber er rollt sich zusammen und wird bescheidener. " Daran möge jeder denken! I. Sch. (Abgeschlossen am 4. September.) Dis SNtissMiLifchS Hetze in der Reichswehr. Spät, allzu spät hat Neichswehrmmifler Noske, und zwar wie wir auch in der Umschau betonen, erst aus wiederholtes Drängen sich veranlaßt gesehen, in der Nationalversammlung offen und