Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1919-07-01
- Page
- 306 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- address
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316888-2316895--30090-2356148- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zos Km Reich , Graf Reventlow hetzt weiter. Er schwimmt wieder ohm* auf; die durch Not, Enttäuschungen, Erbitterung geschaffene Konjunktur ist ihm günstig. Er müht sich fortgesetzt ab, die entsetzlichen Folgen des Waffenstillstandes, den grausamen Friedensvertrag den Juden und der ReDolution aufzubürden; die Alldeutschen aber sind, nach Reventlow, frei von Schuld und Verantwortung. Der „Vorwärts" hat sich nun (am 7. Juli) veranlaßt gesehen, den Grafen in diejenigen Grenzen zurückzudrücken, in die er gehört. Das sozialdemokratische Zentralorgan schrieb: Trotz unserer bündigen Darlegungen llarnmevt sich Graf Reventlow immer noch cm die „revolutionäre UuLerwühLung der Front". Wir nehmen ihm das nicht übel; denn er, der langjährige Offizier im w e h r s L h L g e n A! t e r, ist ja nie an d er Front gewesen und kennt die Dinge nur vom Hörensagen. Hätte der edle Graf auch nur acht Tage an der Front zugebracht, so würde er selber darüber lachen müsse::, wie er jetzt wilden LatrinerÄlatsch mir ernstester Miene als positive Tatsachen verbreitet . . ° Ueber die heilige Naivität des Mannes, der alle 1500 Kriegsnächte nach geschriebenem Hetzartikel in sein warmes Bett gekrochen ist! Er ist allerdings der kompetente Beurteiler für Leute, die Jahr für Jahr wochenlang in verschlammten Lochen: liegen mußten, nichts zu essen hatten, und über deren Häuptern dabei jede Minute der Tod schwebte. Hätte Graf Reventlow -- und zwar als gemeiner Mann — and) nur einmal mitgemacht, wie sine Truppe, die 14 Tage im Gramttseuer gelegen hat und der Nutze versprochen worden ist, nach drei Stunden wieder in 'den vordersten Graben geholt wird! Daß die Unzufriedenheit solcher bis aus den Tod abgehetzten und geschundenen Senfe, zumal wenn sie beim Versagen ihrer Kräfte noch in der widerlichsten Art von den Vorgesetzten angebrüllt und beschimpft werden, sich manchmal in sehr drastischer Weise Luft macht, das ist so selDstverstandlich, daß darüber überhaupt nicht zu reden lohnt. Wenn dabei einmal das Wort .„Streikbrecher" fällt, so kann nur ein Heimkri-eger vom Schlage des Grafen Reventlow darin die Anzeichen einer „revolutionären Verschwörung" erblicken. Fest steht, daß eine ernsthafte Meuterer an der Westfront bis zum Tage des Waffenstillstandes — im Gegensatz übrigens zu unseren Gegnern — nicht vorgekommen ist. Wenn Graf Reventlow noch meint, bk Offiziere besonders in Schutz nehmen m müssen, so stellen wir nur fest, daß wir durchaus nicht von sämtlichen Offizieren geredet haben, sondern nur von einer bestimmten Sorte, von den durchgängig konservativen Menschenschindern des alten Systems. Zu dieser Sorte rechnen wir den Grafen Reventlow allerdings nicht; denn diese Sorte ist wenigstens an der Front gewesen. An Stelle der Offiziere würden wir uns solchen Schutzpatron verbitten. Graf Reventlow antwortete darauf lediglich, daß er schon wahrend des Krieges in dieser Angelegenheit eine Erklärung abgegeben und keine Veranlassung habe, sie zu wiederholen. Das ist alles? Wer hat den Wortlaut jener Erklärung noch im Gedächtnis? Weshalb wiederholt er sie nicht? War sie so wenigschlagkräftig, so wenig zwingend, daß Graf Reventlow, der in seinen Aufsätzen sich so oft und gern wiederholt, es für klüger hält, sie geheimzuhalten und sich auf sie als ein beweisendes Dokument zu berufen? Wer darf so schwerem Vorwurf ge-