Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1919-07-01
- Page
- 307 (sequence 6)
- Language
- German
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Lmschan 807 gcnüßsi schweigen? Dem Grafen springt ein Kollege in der ^Deutschen Tages-Ztg." bei. Sr wirft dem „Vorwärts" ordinäre GefiMrung vor, die zum „waschechten Novembermann gehört wie der Floh zum Hunde". Er spricht von „Kloakendüften" und versichert im Karlchen-Mießnick-Stil: „Wir stellen nur fest und hangen niedriger". Er spricht von „Lümmeleien, die der vorwärtsliche Schmierfink sich leistet und die nicht aus seinem Mist gÄvachsen" seien. Und nachdem er auf diese edle Weise sein Herz erleichtert hat, erklärt er ernsthaft: „Schimpfworts sind kein- Arguments!" In der Tat. Dis Arguments für Herrn Reventlow fehlen. Wir würden auf diese persönlichen Häkeleien nicht emgehen, wenn nicht der Fall Reventlow, solange er nicht wirklich eindeutig zugunsten des Grafen geklart ist, ein besonders beachtenswerter Schulfall wäre, angefichts der antisemitischen Vorwürfe Wischer Drückebergerei. Die stichhaltigsten Gründe, die diesen oder jenen Juden vom Dienst mit der Waffe befreit, die ihn in den Dienst der Kriegsgesellschaften gestellt haben, werden nicht anerkannt; die Drückebergerei wird in der antisemitischen Hetze wahllos und unterschiedslos den Juden, allen Juden vorgeworferr. Graf Reventlow hat nicht nur seinen Körper dem Vaterland entzogen, er hat auch seine Geistesgaoen nicht einmal in den Dienst der KriegsgeseLschaften oder eines militärischen Bureaus gestellt; er, mit seinen Beziehungen zu einflußreichen, in der Kriegszeit fast alleinherrschenden Persönlichkeiten, durste, rvähreich über das Volk ein eisernes Fesielnetz geworfen war, stolz von sich sagen: Ich bin ein freier Mann und — schimpfe. Graf Reventlow ist immerhin ein Gegner, mit dem zu kämpfen es lohnt. Ganz anders Herr Richard Knnze in Friedenau, eine Art Geschäftsantisemit, der nach der Revolution das „Dsntschs W-schsublstt" gegründet hat, in dem aller antn semitischer Schmutz und Kehricht znsammengefegt wird. Herr Kunze war Generalsekretär der konservativen Partei und als skrupelloser Parteiagitator, der gern mit antisemitischen Schlagern arbeitete, schon vor dem Kriege bekannt. Vielleicht ist er noch Generalsekretär dieser Partei, die zwar in der Deutschnationalen Volkspartei anfgegangen ist, aber einen Totenschein sich nicht hat ansstellen lassen; denn die Parteileitung, Graf Westarp und Herr von Hehdebrand, ist kürzlich aus dem Dunkel, in das sie sich geflüchtet hatte, mit einem herzhaft rückschrittlichen Aufruf wieder hervorgetreten. Generalsekretär Richard Kunze macht für sein Wochenblatt eine Reklame, die jeder „jüdischen" Reklame mindestens gleichkommt. Reaktionären Zeitungen liegt ein grünes Blättchen bei,