Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1919-07-01
- Page
- 305 (sequence 4)
- Language
- German
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ürrrschLm 305 Das Wort Jude ist vorsichtig vermieden Worden; aber der einstimmig angenommene Antrag ist deutlich genug; er ist ein Kompromiß zwischen den Antisemiten und denjenigen Elementen, die gegen die offizielle Judenhetze sind. Im Herbst soll sich der Hauptvorstand mit den weitergehenden Judenauträgen noch einmal befassen; die antisemitischen Draufgänger haben sich mit der blaffen Formulierung nur begnügt mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Stunde. Die Deutschnationale Bolkspartei ist antisemitisch- Der einstimmig angenommene Antrag bestätigt es, so vorsichtig er auch gefaßt ist. Wir glauben deshalb, daß der Vorsitzende, Minister a. D. Hergt, recht lange wird warten müssen, bis sich Juden finden, die, seinem Verlangen gemäß, durch Geldopfer an die Deutschnationale Volkspartei erst beweisen sollen, daß sie der Aufnahme in die Partei würdig seien. * Graf Ernst Reventlow war schon wiederholt Gast in dieser Zeitschrift. Kein aufdringlicher Gast; im Gegenteil, wir haben ihn selbst — ungern zwar — in unser Zimmer gezogen. Doch die Schuld lag nicht bei uns. — Graf Reventlow gehört zu den „vornehmeren" Antisemiten. Er verschmäht den Gassenton und ist darum um so gefährlicher. Während des Krieges war er im Hinterland einer der Zähesten Führer der antisemitischen Alldeutschen und Annexionisten. In Schrift („Deutsche Tageszeitung") und Wort (seine AgitaLionsreisen führten ihn bis in das chauvinistii^ gewordene München) untergrub er als unfreiwilliger Vorläufer der Revolution die Autorität der Regierenden, wirkte er für Kriegsverlängerung, hetzte er gegen alle nicht Eroberungssüchtigen als gegen Juden und Judengenosien. Er zündete bald hier, bald dort ein kleines Feuerchen an und gvß dann aus zierlichem Kännchen immer wieder ein paar Tropfen Oel hinein. Unermüdlich war der fleißige Graf, der besser redet, als schreibt, der in seinen Zeitnngsaufsätzen — wir wenden einen Volksausdruck an — dickschleimig ist. Zu Beginn der Revolution wäre er, der bisher jedem physischen Kamps aus dem Wege gegangen war, beinahe ein Märtyrer geworden. Bewaffnete Spartakisten drangen in die Redaktionsräume der „Deutschen Tageszeitung" und fragten in wenig verbindlichem Ton nach dem Grafen. Er war nicht anwesend, und das war gut so. Wir verurteilen jegliches Faustrecht; es darf auch nicht gegen diejenigen angewendet werden, die selber auf ein Faustrecht gegen die Juden hinwirken. Beachtet die Anzeige: ”Gabriel Riesser” Verlag!