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Im deutschen Reich · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. 304

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1919-07-01
Page
304 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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304 Fm deutschen Reich wohl, daß zum Mitarbeite« an antisemitischen Blättern kaum mehr gehört als Virtuosität im Schimpfen und ein ledernes Gewissen, oder, um ein Wort des Fürsten Bülow anzuwenden, eine Rhinozerostzaut; daß nicht einmal die Fähigkeit, ein gutes Deutsch zu schreiben, erforderlich ist, und Unkenntnis der politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge bei diesen Blättern vor Strafe und Entlassung schützt; aber den Hauptschristleiter der „Deutschen Zeitung", Herrn Mulle, halten wir nicht für einen kenntnislosen Mann. Wir stehen deshalb — der Herr geigt fortgesetzt auf dieser verstimmten Saite, ohne die falschen Töne zu erkennen — vor dem Phänomen einer taub und blind machenden Verranntheit durch Haß, oder vor dem Nichtphänomen einer tendenziösen, wider besseres Wissen vollzogenen Nmkrempelung des Verstandes. Herr Wulle, der aus Rheinland-Westfalen nach Berlin geholt wurde, um Schwung in die „Deutsche Zeitung" zu bringen, verlangt erbittertsten Kampf und schärfste Opposition gegen jede Revolutionsregierung. (Antisemitismus und Gegenrevolution zeigen hier ihren Zusammenhang.) Dann erst schält er aus seiner Giftfrucht den üblen Kern: Antisemitismus als Heilung Deutschlands. Er hält diesen Kern als Gral ins helle Licht und ruft: Wenn Deutschland diesen Kern nicht als Heiligtum verehrt, bleibt es krank, sind die Deutschen ein elendes Volk von Schwächlingen. Nur die Anbetung dieses Grals kann uns retten. Mit der anderen Hand schwingt Gralsritter Wulle de» Hammer wie der alte Donnergott Thor — er ist nur ein Tor. Der Deutschnationale Parteitag, der am 12. und 13. Juli in Berlin tagte, ist der Judenfrage trotz dem Ultimatum der „Deutschen Zeitung" vorsichtig aus dem Wege gegangen. Antisemitische Rüpelrufe, die besonders während der Ausführungen der Frau Margarete Behm durch den Saal siogen, wurden von der Rednerin mit überlegenem Humor abgefertigt. Die Anträge zur Judenfrage — es waren gerade ein Dutzend — wurden dilatorisch behandelt. Mehrere Antragsteller wollten, daß den Juden der Eintritt in die Deutschnationale Partei verwehrt werde. Der Vorstand zögerte, versuchte, die Anträge nebenbei zu erledigen. Schließlich wurden die 12 Anträge folgendermaßen zusammengefaßt: „Die Deutschnationale Volkspartri steht auf dem Boden des deutschen Volkstums und hält es für Recht und Pflicht, dieses mit aller Entschiedenheit zum Ausdruck zu bringen. Sie macht deshalb Front gegen den undeutschen zersetzenden Geist, der sich zum Verderben unseres Volkes seit Jahrzehnten immer stärker geltend macht. Sie erhebt Einspruch dagegen, daß volksfremde Elemente die Führung an sich reißen und unseren Staat dem Untergang entargenführe». Wer ehrlich an der Wederaufrichtung Deutschlands Mitarbeiten will, ist der Partei willkommen, aber die Vorbedingung für solche Mitarbeit ist das Bekenntnis zu deutscher Denkweise und deutschem Empfinden."

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