Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1919-07-01
- Page
- 303 (sequence 2)
- Language
- German
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sc,s verlogenste« Pamphlete richten, stellen wir fest, daß das U nie rzeichnüngsministerium rein at i s ch zusammengesetzt, daß kein einziger Jude in ihm vertrete n i st; daß der sozialdemokratische Jude des Scheidemann- Ministeriums, Dr. Landsberg, sein Amt niederlegte, weil er vergebens für die Müehnung des unerträglichen und entehrenden Vertrags eintrat; daß die Demokratische Partei, von den Antisemiten als Judenpartei gescholten, mit verschwindenden Ausnahmen gegen die Unterzeichnung stimmte, daß ihre Mitglieder die Regierung verließen und kein neues Mitglied in das neue Kabinett eintvat; daß ihr Führer, Herr v. Payer, der die Unterzeichnung des Friedens befürwortete und darum den Vorsitz niederlegte, ein Christ ist, und daß an seiner Stelle der frühere Finanzminister Schisser, ein Jndenftämmling, in der Nationalversammlung die Ablehnung des Friedensvertrages seitens der Demokraten unter dem lebhaften Beifall der Rechten begründete. All dies stellen wir sachlich und rein geschichtlich fest. Wir stehen einer eindeutigen, klaren, durch keine antisemitischen Verdrehungskünste zu trübenden Sachlage gegenüber. Die „Deutsche Zeitung*, eines der unappetitlichsten alldeutschen Blätter — man erinnere sich an die Bettlakenenthüllungen, mit denen sie den verhaßten Staatssekretär v. Kühlmann zu stürzen versuchte — veröffentlichte am 10. Juli, unmittelbar vor dem Parteitag der DeutschnaLiouslen Bolkspartei, einen Aufsatz „Deutschnationale", der die programmatische Forderung Offizieller Kampf gegen die Juden! aufftellte: Die Frage, die einfach ausschlaggebend sei darüber, ob die Partei völkisch reif sei oder nicht, sei die Judenfrage. Die Deutschnationale Partei habe es bisher, so wird grollend sestgestellt, peinlichst vermieden, sich in der Judenfrage zu entscheiden. Sie komme aber nichts darum herum, die „Kardinalfrage" des deutschen Volkes zu lösen. „Das deutsche Volk hat in seiner erschütternden und erdrückende» Mehrheit, ob kommunistisch oder ob konservativ, erkannt, daß der Wiederaufbau des Reiches davon abhängt, ob es uns gelingt, das deutsche Volk von der Pest des Judentums in seiner vorherrschenden Stellung zu befreien/' Der Verfasser, der Chefredakteur des Blattes, zielt auf eine Art Tivoliprogramm der neuen Partei hin. Ist er wirklich davon überzeugt, daß ein Wiederaufbau Deutschlands nur möglich ist durch die Verdrängung der Juden, so ist er zum politischen Leiter eines ernsten Blattes so geeignet, wie ein Müllkutscher zur Verwaltung eines Kulturmuseums. Nun wissen wir