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Im deutschen Reich · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. 297

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Article
Die Pogromhetze
Date
1919-07-01
Page
297 (sequence 9)
Language
German
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Dis Pogromhetze 297 bereit ist, wird vorläufig geeigneten anderen Formationen zugeführt, die von uns bekannten Offizieren geleitet werden. Er muß sich aber verpflichten, sofort in unsere Formation überzutreten, sobald wir ihn dazu auffordern." Wer diese Zeilen richtig liest, ist sich darüber klar, daß diese Freiwilligen-Formation und diese Art „Zeitfreiwillige" die berbeigewünfchte Pogromgarde darstellen soll. Daß deshalb der Ausschuß für Volksaufklärung seine antisemitische Propaganda mit allen Mitteln unter der Reichswehr und in den Freiwilligenko-rps betreibt, ist einleuchtend. Das Kriegsminist-erium hat, wie nicht anders zu erwarten, erklärt, daß es diesem Freiwilügenkorps des „Ausschusses für Volksaufklärung" völlig fernstehe, und hat ihm jede weitere Werbetätigkeit untersagt. Sie wird aber im geheimen weitergetrieben und der Deusche Dolksbund in Berlin-Schöneberg erläßt schon wieder Annoncen, worin er — vorsichtiger geworden — nur für moralische und materielle Unterstützung des Grenzschutz Ost warm eintritt. dem schon beträchtliche Geldmittel von ihm zugeführt seien. Das ist mehr als auffällig. Auf Schleichwegen sollen die verdächtigen Zwecke gefördert werden, die klar auszusprechen man für bedenklich und taktisch unklug hält. Das Militär ist so für Pogrome ausreichend organisiert. Nun hieß es, das Zivi! in diese Ordnung zweckmäßig einzufügen, so dachten die Herren vom „Ausschuß für Volksaufklärung" und sie taten es auch. In einer Geheimversammlung, welche am 4. Juni dieses Jahres im Askanischen Gymnasium in Berlin, Hallesche Straße, unter großer Beteiligung stattfand, hielt Herr Richard Kunze, der frühere Generalsekretär der Konservativen Partei, jetzt einer der Vorkämpfer des Pogromantisemitismus. eine seiner wüsten Brandreden gegen die Juden. Dabei holte er zwei Gummiknüppel hervor, den „großen Cohn" zu 25 Mark, den „kleinen Cohn" zu 20 Mark. Sie seien, so sagte er, das beste und schönste Kampfmittel gegen d i e I u d e it. Die Fabrik, die sie herstellte, habe sich verpflichtet, sie nur Nationalgesinnten (soll heißen: handgreiflich-antisemitischen) Männern und Frauen auszuliefern. Die jubelnden Zurufe seiner Getreuen, die rohen Todesdrohungen gegen die Juden bewiesen Herrn Knüppel-Kunze: er war verstanden worden. Das war der Anfang. Vor der Philharmonie in Berlin, wo am 11. Juli der Parteitag der Deutsch-Nationalen stattfand, lebhafte Flugblattverteilung- Jeder Nationalgesinnte versehe sich schleunigst mit einem Gummiknüppel, der in der Wirkung furchtbarer sei, als der der englischen Polizisten. Es ist Vorsorge getroffen, daß der Knüppel nur in rechte Hände (soll heißen pogromantisemitische) kommt. Und noch weiter: Im „Deutschen Wochenblatt" des Herrn Kunze seit dem 10. Juli stets eine Anzeige: „Heda! Wer sich gegen körperliche Angriffe schützen will, schaffe sich unbedingt das neuerfundene, sicherwirkende VerteidigungsmiLtel an. Abgabe nur an zuverlässige (U) Personen. Näheres durch H. G. 405. Geschäftsstelle d. Ztg."

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