Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Article
- Die Pogromhetze
- Date
- 1919-07-01
- Page
- 294 (sequence 6)
- Language
- German
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294 Fm deutschen Reich schaftsbund gebildet, ein „Hort der vom internationalen Kapitalismus bewucherten deutschen Kleinwirtschaft (Anbüutt, Händler, Verbraucher), ein Schutz gegen zersetzende Mächte (Warenhaus, Konsumverein)". Noch in der zweiten vorläufigen Preisliste bittet der Bund um Rücksicht, daß er feine Waren zu Preisen anbietet, die „jeder Berechnung hohnsprechen". 8!. Die Aufreizungen zu Pogromen. Es verlohnt, zusammenzustellen, welche gemeinen Beschimpfungen, welche maßlosen B e r l e u m d u n g e. n die Hunderte von verschiedenen Flugblättern und Handzetteln tragen, die in Millionenauflage jetzt durch das Reich flattern. Daß das jüdische Schrifttum in der schamlosesten Weise verfälscht wird, daß aus dem Zusammenhang gerissene Stellen aus religionsgesetzlichen Werken in verlogener Art ausgeschlachtet werden, gehört bei unseren Herren Antisemiten seit alters her zum guten Ton. Der Ritualmord, um der Zeit Rechnung zu tragen, zum Zweck der Zs-egsnwurstfaörikatiün, wird wieder einmal uns Juden zur Last gelegt. Seit Jahrzehnten festgenagelte Erfindungen, wie die berüchtigte Rede des „Großrabbinrrs der Kabbala (!)" werden in Mafienauflagen unter das Volk gebracht. Ekelhaft sind die Flugblätter, worin wir als vertierte Wüstlinge mit lüsterner Feder gemalt werden. Eines davon, das von einem fingierten Großdeutschen Frauen- Schutz- und Trutzbund, in Wirklichkeit von dem lieblichen „Ausschuß für B o l k s a u f k l ä r u n g", herrührt, ist der Oesfentlichkeit übergeben worden. (In der „Umschau" der vorigen Nummer tiefer Zeitschrift. 'A). Red.) Ein anderes, wenia bekamnos, aus derselben Quelle, warnt vor dem „Geschlechtsverkehr mit Juden .... und anderen Rundköpfen" und besaßt sich so eingehend mir dem Bau des weiblichen Unterkörpers, daß einem Ekel und Scham ob der öffentlichen Darstellung aufkommen. Alle solche Blätter aber „klären nicht aus", sondern reizen in ihrer Wirkung zu Gewalttaten auf, und in unserer Zeit, wo das Menschenleben vielen keinen Pfifferling mehr gilt, ist von Aufreizung zur Tai nur eine Haaresbreite. Aber unsere Pogrvmhetzer werden ganz deutlich, auf was sie hinaus wollen/„fürchten sie doch weder Hölle noch Teufel". In der von Dr. Heinrich P udor in Leipzig herausgegebenen Wochenschrift „D e r d e u t s ch e B o l k s r a t", erscheinen fortlaufend Uebersrchien, betitelt „Die P o g r o m b ewe gung" (z. B. Nr. 13 vom 24. Januar, Nr. 14 vom 1. Februar, Nr. 18 vom 12. März und andere). In derselben Zeitschrift ist (Nr. 21/22 vom 5. April) der Satz zu lesen: „Es bleibt also dabei: Das deutsche Volk läßt sich lieber selbst totfchlagen, als daß es die Juden totschlägt." Am 19. April schreibt Pndor in dem Leitarikel „Judenpest": „Denn die Berliner Massenversammlungen . . . brachten eine Vater- .ländische Begeisterung zum Ausdruck, wie wir sie seit langem uns gewünscht haben. Auf den Schuldigen «inzuhauen, vergaß man allerdings völlig . . ."*) Und weiter *) Die Sperrungen bet deutlichsten Stellen rühren von miS her.