Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Article
- Die Pogromhetze
- Date
- 1919-07-01
- Page
- 293 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Pogromhetze 298 A u s k I ä r n n g sd ie nst der Brigade L e t t o w - V O r b e ck wirkt. Und seine „Aufklärung" ist auch danach. So unerhört, daß in einer Vertrauensmünnerversammlung am 10. Juli d. I. ein christlicher Sergeant gegen die blutrünstigen Hetzreden Knauers energisch vom Leder zog. Neben den Arbeitern und Soldaten sollen die Handwerker in den antisemitischen Heerbann gezogen werden. Planmäßig fliegen den Handwerkern von Stadt zu Stadt die Flugblätter ins Haus. Sie verschickt die Deutsche-völkische Buchhandlung von Fr. Warthemann (Berlin W. 66, Mauerstr. 91), der im „Deutsch-völkischen Bunde" wie im „Ausschuß für Volksaufklärung" tätiges Mitglied ist. Das verhältnismäßig milde gehaltene Anschreiben zu'der unerwarteten Sendung beginnt: „Von einer dem Bunde für Handwerker nahestehenden Seite ist mir Ihre gefl. Anschrift genannt worden . . Herzlich hat man sich auch der „Aufklärung" der L e h r e r u n d Geistlichen angenommen. Eine besondere „H a u v t st e l l e für Aufklärung" (Berlin SW. 11, Bernburger Str. 1911, vom 20. Mai ab Berlin W.9, Köthener Str. 45III), der Herr C. Foe'rster vorsteht, hat in einer Auflageuhöhe von 200000 die deutschen Lehrer und Geistlichen mit einer Broschüre: „Von der Vergiftung des deutschen Volkes", eingeleitet von einem Dr. Hosfmann (?) beglückt. Ihr beigelegt ist ein wüstes Flugblatt, wohl Herrn C. Foersters geistiges Eigentum. Neben den Lehrern darf man die Schüler nicht vergessen. Br. Dinters „Lichtstrahlen aus dem Talmud", eines „Sachverständigen", der kein Wort Hebräisch, geschweige denn Aramäisch kennt, sollen die Schüler (z. B. in Frankfurt a. M.) über das jüdische Schrifttum erleuchten. An zahlreichen Orten (Berlin, Breslau. Kelberg ü. a.) treiben Schülerverbände radauantisemitrsche Propaganda. Deutsch-völkische Anwälte und Ingenieure haben sich zu Sondervereinigungen zusammengetau und spinnen mehr oder minder laut ihre Fäden. Deutsch-Völkische Frauenvereine wollen die Schulen judenkinderrem machen. Die aber, welche keiner dieser Abteilungen zugehören, das große Publikum, entrinnt der „Belehrung" nicht. Bezahlte Straßen-, Eisenbahn-, S t r a ß e n b a h n - u n d Hochbahnredner, nicht etwa nur in Berlin, rühren es auf und, wenn sich diese unbeobachtet wähnen, dann werden mit voller Deutlichkeit Plünderungen jüdischer Geschäfte, Mord und Totschlag als etwas Erftrebenswertes ausgernfen. Ja, sogar den heimkehrenden Kriegsgefangenen ist ein Aufgebot bezahlter Hetzer entgegengeschickr worden, wahrscheinlich als lebendiges Zeichen des uns einigenden und versöhnenden Geistes, der alle Volksgenossen in der Zeit größter vaterländischer Not durchzieht. Auch wirtschaftlich rüstet man sich gegen die Juden und die — Konsumvereine. Hat man früher (und so noch heute) das „Kauft nicht bei Juden" diesen an die Schauseuster und Ladentüren geklebt, so hat sich jetzt in Magdeburg ein Allgemeiner W i r t- Beackiei die Anzeige: ”Gabriel Riesser” Verlag!