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Im deutschen Reich · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. 292

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Article
Die Pogromhetze
Date
1919-07-01
Page
292 (sequence 4)
Language
German
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292 Jrn deutschen Reich warm angcpriesen. Die Unzahl der sonstigen antisemitischen Broschüren aus den letzten Monaten auch nur annähernd hier auszuführen, bedingte einen Sonderaufsatz. E, Das Vorgehen der Hetzer. Llus die Bearbeitung zweier Volksschichten legen die Antisemiten das Schwergewicht: auf die Arbeiterschaft und aufdas Militär. Und das ist von ihrem Standpunkt durchaus folgerichtig. Solange es nämlich den Pogromhetzern nicht gelingt, das gewaltige Arbeiterheer Deutschlands aus ihren Leim zu locken, solange dieses in seiner erdrückenden Mehrheit nicht aus die reaktionäre Fahne schwört, solange werden die antisemitischen Treibereien bei uns niemals wurzelhaften Boden fassen. Und dem Militär müssen die Hetzer natürlich die liebevollste Aufmerksamkeit widmen. Zu Pogromen braucht man Soldaten, die mitmachen oder mindestens untätig zu sehen. In zahlreichen Flugblättern aller Farben, mit und ohne Zeichnungen, werden dann auch den A r b e i t e r n die Notwendigkeit und die Vorzüge des Antisemitismus unter die Nase gerieben. Ja, angebliche Sozialdemokraten, die verschämterweise ihre Namen zu nennen vergessen, bitten gedruckt wehmütig die Kollegen, sie sollten doch beileibe ihre jüdischen Führer abschütteln und mit Pauken und Trompeten sich dem alleinseligmachenden Antisemitismus verschreiben. Zn Hunderttausenden werden diese Flugblätter verteilt und sind in den letzten Monaten den Arbeiterräten tausender deutscher Betriebe durch die Post zugegangen. Daneben sind dann in großen Fabriken in Arbeiterkittel gesteckte Antisemiten tätig, um die Kollegen gehörig vorzunehmen. Bezahlte Agitatoren durchreisen das Reich, suchen sich in Arbeiterkreisen geachteten Persönlichkeiten (Arbeiterraten u-sw.) anzubiedern und über dieses Sprungbrett ihr Gift in die Arbeiterkreise zu schleudern. Und dann das Militär. Gewiß hat der Reichswehrminister jede parteipolitische Agitation in den Kasernen verboten. Was ficht uns Antisemiten das an! Gibt es nicht Offiziere, denen der Antisemitismus eine so „vornehme Selbstverständlichkeit" dünkt wie das Einglas oder der näselnde Gardeton! Und solche Herren scheuen sich nicht, innerhalb ihres Dienstbereichs den antisemitischen Schmutzblättern den Weg zu ebnen. Arg ist es damit im Grenzschutz Ost bestellt, von wo uns eine Anzahl Fälle zu Ohren kamen. Andere Offiziere wieder halten vor ihren Untergebenen aufreizende Reden schlimmsten Kalibers (Falle aus Schießplatz Gruppe bei Graudenz, Frankfurt a. M.). Weitere halten es nicht für nötig, Pogromplakate aus den Kasernen zu entfernen. So prangten ungehindert in der l!6er Kaserne in Gießen, wo, wie in Frankfurt und Marburg, der allbekannte Judenfresser und „Kriegsheld" Professor Werner- Butzbach eine Riesenhetze unterhält, zehn Flugblätter, auf dem einen ein Galgen und darunter: „So muß man es machen", auf einem andern die Unterschrift: „Werst sie ins rote Meer!" Die Krone setzt aber allem aus, daß Herr Joses Knauer, weiland Geschäftsführer des Deutsch-Völkischen Bundes Berlin- Schöneberg, einer der schamlosesten Pogromapostel, ausgerechnet im

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