Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / B. S.
- Date
- 1919-06-01
- Page
- 266 (sequence 3)
- Language
- German
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266 Im deutschen Reich P a r t e i k ä m p fe, manche nennen es sogar Klassenkämpfe. Es stehen sich die „klaffenbewußten Proletarier" unter der Fahne des „Ha Poel hazaär" (Der junge Arbeiter) und die noch radikaleren Poalezioniften einerseits und die „bürgerliche" Partei andererseits gegenüber. Letztere hat sich unter dem Namen „Ha Esrach" (Der Bürger) organisiert, und an deren Spitze steht Herr M. Disenhoff, Bürgermeister von „Tel Awiw", dem vor einigen Jahren gegründeten jüdischen Viertel von Jaffa. Zwischen diesen beiden Lagern tobt ein heftiger Kampf. Herr Disenhoff und seine Partei werden beschuldigt, die „Reaktion" zu fördern und sich der von den Gegnern erstrebten Nationalisierung des Bodens zu widersetzen. Der Fernstehende, der das liest, wäre zum Glauben verleitet, daß hier auf der einen Seite eine Gruppe von Latifundienbesitzern und Großbauern, die über weite Ländereien gebieten, einem zahlreichen Volk von Kleinbauern gegenübersteht, die nach Vermehrung ihres Grundbesitzes strebt. In Wirklichkeit bildet der gesamte in jüdischen Händen befindliche Grundbesitz von Palästina kaum 2 Prozent der bestellbaren Bodenfläche des Landes, von diesen 2 Prozent ist etwas über die Hälfte angebaut, zusammen ungefähr 20 000 Hektar. Die ganze Landwirtschaft treibende jüdische Bevölkerung Palästinas besteht etwa aus 1000 Familien, die in ungefähr 33 Dörfern angesiedelt sind. Sie bilden einen winzigen Ausschnitt des agrarischen Wirtschaftsgebietes des Landes, welches zu 98 Prozent in den Händen der Araber ist, die nicht im Traume an eine „Nationalisierung" des Bodens denken. Der Gedanke, diesen kleinen Bruchteil des Landes zu „nationalisieren", ist heller Wahnsinn. Die Anhänger dieses Gedankens sind nicht etwa Bauern mit viel zu kleinem Bodenbesitz, oder geübte Landarbeiter, die sich endlich auf eigner Scholle ansiedeln wollen, sondern kleinstädtische Elemente, die aus Rußland und Litauen vor wenigen Jahren eingewandert sind, „um die Arbeit in Palästina" zu erobern („Kibbusch ha abodah"), nämlich die Land-, arbeit, die sie erst im Lande erlernen müssen, und zu der' sie sich in vielen Fällen gar nicht eignen, da sie aus dem Untergymnasium, aus der Jeschiba,, aus dem Kontor oder hinter dem Ladentisch einer Kleinkrämerei Herkommen; sie können also mit den Arabern nicht konkurrieren, die der jüdische Kolonist gezwungen ist, zu den meisten gröberen Feldarbeiten zu verwenden. Die K o l o n i ft e n lehnen natürlich alle Nationalisierungstendenzen energisch ab und scharen sich um den „Ha Esrach", der binnen kurzer Zeit die Gruppen in den Städten und den Kolonien um sich geschart, hat. Die „Jungen" haben kein Kapital und wenig Arbeitskraft ins Land gebracht, dafür