Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / B. S.
- Date
- 1919-06-01
- Page
- 265 (sequence 2)
- Language
- German
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Jüdische Rundschau 268 medanern gibt der ganzen revolutionären Strömung denselben Charakter wie den Ereignissen von 1857; daß nunmehr sich auch die Sikhs, welche stets als die treuesten Anhänger Englands galten, an der Agitation beteiligen, beweist, daß während der letzten Jahrzehnte in der innerpolitischen Lage Indiens eine gründliche Aenderung vor sich gegangen ist. Die „Times" untersucht die Ursachen dieser Erregung und kommt zu dem Schluß, daß die Mohammedaner Indiens durch das bevor st eh ende Schicksal der Türkei beunruhigt wurden und daher der Beeinflussung durch türkische Agitatoren nicht unzugänglich waren. Auch haben die demobilisierten indischen Soldaten, die, in die Heimat zurückgekehrt, ihre Dörfer in Aufruhr fanden, mit ihren aus dem Kriegs mitgebrachten Eindrücken das Feuer nur noch geschürt. Die 60 Millionen Mohammedaner Indiens, die zu der kulturell höchststehenden Schicht dieses Landes gehören, scheinen das treibende Element in dieser Ausruhrbewegung zu sein. Die indischen Mohammedaner haben gegen eine Wegnahme des Kalifats von Konstantinopel und seine Verlegung nach dem Hedschas nachdrücklichen Protest eingelegt. Dieser Protest wurde in London von dem angesehensten Führer der indischen Moslems, Aga Khan, an der Spitze einer großen Deputation überreicht. Durch die Verlegung des Kalifats nach dem Hedschas, welches ja nur ein verschleiertes englisches Protektorat sein wird, wird das Oberhaupt des Islams in Abhängigkeit von den Ungläubigen geraten, und dagegen lehnt sich das religiöse Bewußtsein der ganzen mostemitischen Welt auf. Für Leu Ausstand in Aegypten ist es hingegen bezeichnend, daß sich die Kopten an ihm Seite an Seite mit den Mohammedanern beteiligen. Palästina (und Mesopotamien) sollen für England die Brücke zwischen Aegypten und Indien bilden. Es scheint indessen, daß die Herrschaft Englands im Orient stark ins Wanken geraten ist. Unzweifelhaft wird es der englischen Staatskunst gelingen, der Schwierigkeiten wieder einmal auf einige Zeit Herr zu werden; aber daß auch für den Orient neue Zeiten herangebrocheu sind, unterliegt keinem Zweifel. Absolute Ruhe wird weder in Aegypten noch in Indien auf die Dauer herzustellen sein. Die beiden Enden der Brücke schwanken und schaukeln; aber auf der Brücke selber will man dem jüdischen Volk „eine gesicherte nationale. Heimstätte" bereiten, „in der der müde Wanderer endlich Ruhe findet" ... * Klaffenkämpfe unter den Juden in Palästina! Die folgenden, vom Kopenhagener zionistischen Zentralbureau verbreiteten Nachrichten dürsten dem Uneingeweihten seltsam klingen: Palästina steht jetzt imZeichen der