Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1919-06-01
- Page
- 263 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau 263 bleibt Landesverrat. Wer aber bestimmte Bevölkerungskreise, gute Deutsche und opferbereite Staatsbürger systematisch verbittert, wer ihre Ehre verletzt, ihr Recht vergewaltigt, darf sich nicht wundern, wenn einzelne aus diesen Kreisen zu den Revolutionären abschwenken, wenn man sie unter den Spartakisten und Bolschewisten findet; der müßte vielmehr bekennen, daß er selber einen Teil der Schuld daran trage, müßte sich vor allem davor hüten, verallgemeinernd die Juden als Umstürzler und Spartakisten zu schmähen. Bei Verallgemeinerungen würden die christlichen Deutschen wahrlich noch viel schlechter fahren als die Juden. * „Wie sich die Entente der Juden annkrmnt". Ein Telegramm aus Haag vom 29. Mai lautet: Aus Paris wwd gemeldet: Der Vertrag zwischen den alliierten Ländern und Polen ist nunmehr fertig. Er verbürgt die Rechte der ethnographischen und konfessionellen Minderheit Polens. Der Vertrag, der durch die polnische Vertretung bereits für gut befunden wurde, ge- . währleistet die gleichen Re chteallenJu de n/dkeinPolen wohne n. Gleichartige Vertrags sollen den Vertretern der T's'checho-Slowaker^ Jugo-Slawien und Rumänien vorgelegt werden. Sie machen einen Teil des Programmes aus, durch das den europäischen Juden gleiche Rechte sichergestellt werden sollen. Der Vertrag mit Polen spricht den Juden ihre nationalen Rechte in vollem Umfange zu, verbietet alle Unterdrückungen, gleichgültig welcher Art, er sichert den Juden den Gebrauch ihrer eigenen Sprache und verpflichtet, am Sonnabend keine Wahl abzuhalten. Dieses Telegramm ward von der schwerindustriellen „Deutschen Zeitung" vom 30. Mai mit der Ueberschrift versehen: „Wie sich die Entente der Juden annimmt." Man ist trotz allen Erfahrungen immer wieder erstaunt, wie sabelhast verständnislos die Annexionistenblätter der auswärtigen Politik gegenüber sich verhalten. Diese Stiere (um den poetischeren Ausdruck zu wählen) — diese Stiere im Porzellanladen der Politik hätten, wenn sie wirklich die Jnteresien Deutschlands vertreten wollen, die Pogrome in Polen als willkommenes Mittel benutzen müssen, um gegen die, durch große deutsche Landgebiete zu bereichernden Polen in der ganzen Welt und besonders bei der Entente Stimmung zu machen. Hier war Gelegenheit, der Entente zuzurufen: Ihr tretet für Humanität, für Gerechtigkeit, für den Schutz auch der Minderheiten ein, und eure Lieblinge, die Polen, die ihr auf Kosten der deutschen demokratischen Republik so überreich beschenkt, verletzen in Hunnenart das Grundrecht jedes Menschen, l e b e n zu dürfen! Ist es nötig, euch die Augen darüber zu öffnen, welch einer Sorte von Volk ihr Länder, Waffen und Heere zuschanzt? Ist es noch nötig, euch vor der gesamten Welt daraus aufmerksam zu machen, daß es an der Zeit ist, mißtrauisch und vorsichtig dem neuen Polenstaate gegenüber zu sein?