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Im deutschen Reich · 1919-06-01 · Heft 6 (Juni 1919) · p. 262

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 6 (Juni 1919)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1919-06-01
Page
262 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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262 Im deutschen Reich in der Loslösungsbestrebung ist die „Kölnische Volkszeitun g", die während des Krieges mit den Alldeutschen zusammenging und, obwohl das Zentrum zu den Mehrheitsparteien gehörte, die Reichstagsmehrheit beschimpfte, weil sie die bekannte Verständigungsresolution gefaßt und die Regierung veranlaßt hatte, ihr zuzustimmen. (Reichskanzler Michaelis schaltete allerdings die verhängnisvollen Worte „Wie ich sie [bie Resolutions auffasse" im letzten Augenblick ein.) Die „Kölnische Volkszeitung", die gemeinsam mit den Annexionisten und Kriegsverlängerern die Verständigungsresolution schmähte, lieferte gerade als Zentrumsblatt den Alldeutschen besonders scharfe Waffen. Um ihren zur Kriegsverlängerung aufhetzenden Artikeln eine weithin dröhnende Resonanz zu geben, entfaltete die „Kölnische Volkszeitung" eine starke Agitation, um auch an der Front große Verbreitung zu finden. Nun ist die Kriegsverlängerungsagitation schief gegangen, und sofort kippt die Gesinnungsgenossin der Alldeutschen nach der anderen Seite. Ihr Redakteur F r o b e r g e r ist der Hauptwortführer in-den Verhandlungen mit dem französischen General Mangin. Findet sich kein Antisemit, der die „Kölnische Volkszeitung" als Judenblatt, den katholischen Geistlichen Kastert und den Zentrumsabgeordneten Kuckhoff als Judengenossen entdeckt und bezeichnet? Er wird sich finden, so sicher, wie die Antisemiten mit der Moral verbrüdert und mit der Wahrheit verheiratet sind. In der Preußischen Landesversammlung vom ■ 28. Mai führten die Zentrumsredner, die mit erfreulicher Entschiedenheit von ihren rheinischen Parteigenossen abrückten, zu deren Entschuldigung an, daß die frühere preußische Regierung die Schuld an der tiefen Verbitterung in den Rheinlanden trage. Man habe Leute aus dem Osten (d. h. Ostelbier, die in der Regel ebenso antisemitisch wie unfähig sind, moralische Eroberungen zu machen) als hohe Beamte dorthin geschickt, anstatt die katholische Bevölkerung durch Männer aus ihren eigenen Kreisen leiten zu lassen. Es seien zu wenig Katholiken zu den höheren Beamtenstellen zugelassen worden, und das Zentrum habe schon immer auf das Unrecht und die Gefahren mangelnder Parität aufmerksam gemacht. Dieses Verhalten der früheren preußischen Regierung wird also Landesverrätern als mildernder Umstand zugemessen. Und die I u d e n , die sich nicht über relative Verletzung der Parität beklagen konnten, weil sie überhaupt nicht zu Beamt en st ellen, nicht einmal zu den subalternen berufen wurden, weil sie immer und überall nur Objekte schikanöser Verwaltungsbeamter waren? Denen verfassungsmäßige Gleichberechtigung fortgesetzt verkümmert wurde? Landesverrat

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