Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1919-06-01
- Page
- 256 (sequence 3)
- Language
- German
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256 Im derrkfcherr Reich Deutsche MüMr! Deutsche Väter! Deutsche Schwestern! Deutsche Bruder! „Hefter 200 Kinder -allein in Groß-Berlin vermißt", sceg'ken mir bire Beamten, alZ ich Lei der Behörde bat, nach dem Verbleib meines Kindes Zu forschen. So erzählte uns eine deutsche Mutter! „Heber 100 Kinder sind aus Berlin als vermißt gemeldet", sagte ein Kriminalbeamter. Man hat bisher noch keine Spur von ihnen Pfunden, und man vermute^ daß das Fleisch dieser unglücklichen Kinder in -d i e Z i e g e n w u r st verarbeitet worden ist! Ist es denn unter sollchen Umständen ausgeschlossen, daß Tausende von Kindern noch weiter ab gesch-lach L et werden und schon geschlachtet sind? Seht ihr denn nicht, daß auch euren lieben Kindem das gleiche Los droht?! Wir wissen ja alle, daß bestimmte Sekten zur A u f f r i s ch u n g ihres minderwertigen Blutes aus rituellen Gründen ihren Opfern unter den grausamsten Qualen das Blut abzapfen! Ist es nicht sonderbar, daß so viele Kinder zur Zeit der Ostern verschwanden, zur Zeit, da gerade die alten Opfer gefeiert wurden? Deutsche Väter! Wollt ihr euch und euren Kindern ein gleiches Schicksal bereiten? Rafft euch auf und schafft wieder Ordnung im Reiche! Vernichtet und tötet alle, die sich gegen die göttliche Ordnung erheben! Es ist höchste Zeit! Fort mit den Verbrechern! Das ist der „Ausschuß für — Volksaufklärung". Der „Weckruf" enthält eine Aufforderung zürn Mord, und im Zusammenhang damit, daß derselbe „Ausschuß für Volksaufklärung" (dessen Leiter in der Köthener Str. 45, Hof I, hausen) Freiwillige bewaffnet, erhalten „Weckruf" wie Werbeaufruf noch eine besonders gefährliche Bedeutung. Wenn auch das Kriegsministerium mit dem Werbeaufruf für judenfeindliche Freiwillige nichts zu tun hat, so muß gefragt werden, mit wessen Geldern werden diese Freiwilligen der Volksaufklärungs-Sippe ausgerüstet, beköstigt, entlohnt? Wer gibt ihnen die Waffen? Wer trägt die Verantwortung dafür, daß nicht nur zielbewußten Offizieren, sondern auch jungen mißleiteten Leuten Schußwaffen in die Hand gedrückt werden? Es ist ja überhaupt hohe Zeit, daß die zusammengetrommelten und zusammengeworbenen Söldnerverbände als solche aufhören und in das allgemeine Volksheer eingereiht werden — trotz aller Anerkennung der Leistungen der Freiwilligenverbände bei der Wiederherstellung der Ordnung. Wir könnten sonst zu Zuständen gelangen, unter denen im Dreißigjährigen Kriege Deutschland bitter gelitten hat. Wer es damals verstand und die Mittel hatte — man denke nur an Wallenstein •— um seine