Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1919-06-01
- Page
- 255 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau 255 Fähigkeiten untersucht, sondern auf ihre „deutsch-germanische Abstammung"! Nur solche Leute sollen sich melden, die Wert darauf legen, bei Truppen einzutreten, bei denen weder Juden, noch Halbjuden, noch Judengenossen Ausnahme finden können. Es genügt, wie man sieht, nicht einmal die deutsch-germanische Abstammung. Der Freiwillige darf auch kein Judengenosse sein. Wehrlustige von der Gesinnung des Prinzen Max von Baden, des Herrn v. Bethmann Hollweg, des Grafen Hertling, des Herrn v. Kühlmann, des früheren Kaisers Wilhelm II., ja sogar Bismarcks (der auch wiederholt als Judenknecht beschimpft wurde) würden von diesem Wehrverband ausgeschlossen sein. Es bliebe also eine Elite des tumben Nichtgeistes, bornierter Beschränktheit und unmoralischer Hetzsucht übrig. Der Aufruf ist unterschrieben von dem „Ausschuß für Volksausklärung", Joseph Pelzer, Johannes Potthos. Es ist bezeichnend, daß sich die Antisemiten immer wieder hinter lockenden, ethischen Namen verstecken, Namen, die mit ihren eigenen Zieren nichts zu schassen haben. Hier heißt der Name „Volksausklärung". ' Am Schluß des Ausrufes befand sich die Versicherung: Die Genehmigung zur Werbung von Truppen ist uns vom Kriegsm i n i st e r i u m erteilt. Wir möchten wirklich nur einmal eine Behauptung aus antisemitischem Munde hören, die der Wahrheit entspricht! Selbstverständlich ist diese Versicherung des Aufrufes ein Schwindel. Die Wahrheit ist, daß Herr Potthof sich wiederholt ans Kriegsministerium gewandt hat mit der Bitte, man möge ihn mit Werbungen beauftragen, jedoch jedesmal zurückgewiesen wurde. Auch die Anfragen Potthofs, ob ihm nicht Geldmittel zur Verfügung gestellt werden könnten, wurden abgelehnt. Wäre dies nicht der Fall gewesen, so hätte der Kriegsminister von seinem Platz entfernt werden müssen. Denn derselbe Ausschuß für Volksaufklärung hat obendrein Flugblätter verteilt, die nicht nur in üblicher Form gegen die Juden hetzen, sondern geradezu zu Pogromen auffordern. Auch das zweite Plakat an der anderen Seite des Universitätsportals stammt von ihm. In dem Plakat wird u. a. gesagt, Anfang November 1918 hätte ein Jude Oskar Cohn zusammen mit Haase, Barth, Dittmann, Scheidemann usw. an Stelle des Ordnungsstaates eine jüdische Wucher-, Schieber - und Mißwirtschaft gesetzt usw. Dieser Aufruf ist noch harmlos im Vergleich zu dem „Weckruf", der in Berlin verteilt wurde. In ihm heißt es: