Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1919)
- Article
- Eine Auseinandersetzung
- Date
- 1919-06-01
- Page
- 251 (sequence 3)
- Language
- German
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Ems Auseinandersetzung 251 wir deutschen Juden Mji'L den französischen und englischen Juden keine Volksgemeinschaft haben, und wenn ich daran die Bemerkung geknüpft halbe, daß ich für sie nicht viel anders empfinde als für die französischen und englischen Christen, jo handelt es sich dabei um völkische Empfindungen, -bei Lenen mein religiöses Gemeinschaftsbew uß Lsein gar nicht in Frage kommt. Ich lasse mich an Treue zu den Gemeinschasten, denen ich an« gehöre, von niemandem übertreffen, und mein Vorleben sollte mich vor dem Vorwurfe schützen, daß mein jüdisches SolidariLütsgesühl unzulänglich sei und der Vertiefung fähig sei. Mein 'geistiger und seelischer Konnex zu dem französischen Juden ist natürlich enger als zu dem französischen Christen — wie denn auch mein geistiger Konnex zu dem französischen Juristen ein engerer ist als zu dem französischen Mchtjuristen —, und ich werde eeteriZ xarldus mich am meisten zu denen hingezogen fühlen, mit denen ich die meisten gemeinschaftlichen Berührungspunkte habe. Wenn aber die Völker gegeneinanderstehen, so stehe ich Zum deutschen Volk, und es tritt hinter das deutsche Gemei.nichafts'bewußtsein jedes andere, sei es religiöse, soziale nsw. Gemeinschafts'bewnßtsein zurück. Weshalb Sie mich in den Gegensatz zur Mehrheit der deutschen Juden stellen, die es bedauern, durch rem äußere Momente gezwungen zu sein, die Verbindung mit dem Entente-Judentum aufgeben zu müssen, verstehe ich Nicht. Ich habe als deutscher Jude natürlich auch lieber Frieden mit den französischen Juden als den Zustand des Krieges. Das Gefühl des Neides auf die Zionisten ist mir fremd; denn für mich ist der Zionismus nicht das, was der Vatikan für den Katholizismus ist; die Einheit des Judentums wird durch dessen Nationalisierung nicht sowohl 'gefördert als zerstört 7. Gewiß ist es nicht Sache der zionistischen Organisation, Aeußerungen einzelner zu unterdrücken; nur soll sie nicht durch deren vorbehaltlose Aufnahme im offiziellen Organ Unklarheit über ihre eigene Auffassung schaffen und soll Don vornherein zu ihnen Stellung nehmen. 8. Den Gedanken, daß das nichtzioniMche Deutschland sich mit der Tatsache des werdenden jüdischen Palästinas in einer Weise ab find et, die seiner und der jüdischen Sache würdig ist, habe ich propagiert, noch ehe Sie Ihre öffentliche Aufforderung an mich richteten. Ich bin für ihn eingetreten bei Formulierung der Programmpunkte. die der Vorstand des Centralvereins der Delegiertenversammlung unterbreiten wird, und bei Aufstellung der Forderungen, die die jüdische SachverständigenkomMission für den Friedenskongreß gestellt hat. Insoweit Palästina nur als Siedlungsland in Frage kommt, wird kaum ein deutscher Jude den Siedlungsbestrebungen und -arbeiten seine Sympathie versagen. Wenn viele abseits stehen und tätige Mitarbeit an der Wiedererrichtung Palästinas nicht leisten wollen, so sind es keineswegs immer unedle Motive, die sie dabei leiten, etwa das Motiv, daß sie die Rücksicht auf die eigenen politischen Verhältnisse höher stellen als die Pflicht gegenüber der jüdischen Allgemeinheöt. Zahlreiche Juden sehen in der Nationalisierung des Judentums und in dem Erwachen der Staatsaspirationen eine große Gefahr für das Judentum, die Ju-denheiL in Palästina und in der Diaspora. Vielen wird die Mitarbeit verleidet, wenn man die Palästinaarbeit mit dem Volksgedanken verquickt und als Bedingung zur Anteilnahme am Kongreß, der die Palästinaarbeit regeln soll, verlangt, daß der teilnehmende Jude sich als jüdischNativnal fühlt, das Bekenntnis der Zugehörigkeit zum jüdischen Volke ablegt. 9. Ihr Wunsch, daß das deutsche Judentum durch praktische Palästinaarbeit den inneren Frieden erhält, begegnet sich mit Wünschen und Bestrebungen, denen ich seit Jahren in dem Ostkom'itee, der Viod, den Verhandlungen mit der zionistischen Parteileitung nachgelebt habe. Daß ich dabei seWst viel innere Befriedigung erlebt habe, kann ich zn meinem