Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1919)
- Article
- Eine Auseinandersetzung
- Date
- 1919-06-01
- Page
- 250 (sequence 2)
- Language
- German
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250 Im deutschen Reich 4. Irr den Streit der Völker sind die Jüden bisher nur hineingezogen wie die Bekenner der anderen Religionen. Deutsche Juden mußten gegen französische und englische Juden ebenso kämpfen wie deutsche Christen gegen französische und englische Christen. Es waren das keine Kämpfe des Judentums. Wird die jüdische Religionsg-emeinschast aber eines Nation, so wird sie als Nation in den Streit der Völker hineingezogen, und dadurch wird der Zusammenhang zwischen den palästinensischen Juden und den Juden 8er Diaspora unter Umständen zerrissen. Bedarf das eines besonderen Beweises, wenn der Völkerbund nicht so verwirklicht wird, wie wir wünschen, Sonderkoalitivnen nicht aus schließt und der Judenpaat in Palästina als solcher an den Koalitionen teilnimmL? Für Sie bedars es keines Zweifels, 'd-alß das nationale Judentum jedes, auf Verletzung der Neutralität gerichtete Ansinnen mit aller Entschiedenheit ablehnen wird. Der Zionismus mag den guten Willen hierzu haben; ob sich dem Willen auch das Können bei gesellen wird, ist mir sehr zweifelhaft. Die Entente oder England schafft doch das jüdische PaLLstina nicht um der schönen Augen der Juden willen und aus Liebe' zum Judentum. Wenn Sie zur politischen Einsicht der Entente 'das Vertrauen haben, daß sie an die zionistische Organisation und an das jüdische Palästina nicht Forderungen stellen wird, die unter keinen Umständen erfüllt werden können, mit anderen Worten, wenn Sie glauben, daß England bei seinen politischen Forderungen auf die Einheit von Palästina und Eatuth Rücksicht nehmen wird, und daß der Zionismus die Kraft haben wird, Forderungen, die dieser Rücksicht entbehren, zurückzuweifen, so fehlt mir dieses Maß von Vertrauensseligkeit und Optimismus, obwohl ich von beiden auch ein gut Teil besitze. 5. Sie finden, daß meine Bedenken gegen die Wiederaufrichtung des jüdischen Volkes einigermaßen kn Widerspruch damit stehen, daß ich letzthin der Errichtung der jüdischen Heimstätte in Palästina und der nationalen Autonomie für die Juden 8e§ Ostens zustimme. Aber nicht die Differenzierung, sondern die Gleichmacherei ist folgewidrig, wenn die Dinge nicht überall gleich liegen. Ich habe wiederholt aus den grundlegenden Unterschied von Ost und West hinge wiesen. In den Ländern des Ostens find die Juden zum größten Teil "Nationalitäten; im Westen hat sich der ÄfsinrAationsprozeß "so gut wie vollzogen. Wo jüdische Nationalitäten noch bestehen, will ich ihnen zu ihrem Schutz die politischen Rechte nationaler Minoritäten gewährt wissen, Md ich will denen, die jüdischnational fühlen und eine Sehnsucht nach Zion haben, eine Heimstätte eröffnst sehen; aber ich will nicht einen vollzogenen nationalen AfsimLationsprozeß und eine jahrhundertalte Entwicklung rückgängig machen, der internationalen Re- Hgionsgemeinschaft eine völkische Einheit und völkische Sonderheit gsben, hier in Deutschland jüdische Volksgemeinden gebildet sehen, und hier die Juden ein Volk im Volke werden lassen. Ob die nationale Autonomie und die Bildung eines Staatenwesens in Palästina der JudeNheit und dem Judentum zum Segen gereichen wird, darüber will ich mich nicht äußern. Meine Wünsche siNd jedenfalls größer als meine Hoffnungen. Aber des Menschen WMe ist fern Himmelreich. Wir können nicht Vorsehung spielen. Nur gebe man auch uns Nicht-Zionisten -das Recht der Selbstbestimmung; wir wollen i'n Deutschland kein jüdisches Volk fein, sondern nur eine jüdische Religions- und Stamm eHgemeiNsHa ft bild en und deutsche VMsgenossen bleibem 6. Wenn Sie Anstand nehmen an meinen Worten, daß ich für die französischen und englischen JNden -nicht viel anders eNipsinde als für die französischen und englischen Christen, und daraufhin glauben, mein religiöses GemeinschafrsLewußtsein als nicht sehr groß eiNschätzen zu können, so haben Sie Ihre Kritik auf Worte gestützt, die Sie aus dem Zusammenhang gerissen und mißverstanden haben. Ich habe davon gesprochen, daß