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Im deutschen Reich · 1919-05-01 · Heft 5 (Mai 1919) · p. 218

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 5 (Mai 1919)
Article
Nochmals Klatzkins "Probleme des modernen Judentums"
Date
1919-05-01
Page
218 (sequence 3)
Language
German
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218 Im deutschen Reich 2. Der Zwei-e Satz des sog. geistigen NaLionaljudentunis lautet: Entsteht in Palästina eine jüdische Siedlung, so muß .das Galuth noch immer bestehen bleiben. Palästina kann nur die Judentums-, nicht die Jüdennot lösen; die Diaspora erhält aber von diesem nationalen Zentrum stets neue Kraft. Palästina wirkt als nationale, Licht und Segen spendende Sonne für das Galuth. Auch dieser Satz ist nach Klatzkin falsch. Im Gegenteil! Klotz kin beweist, daß gerade durch die Schaffung des wahren Nationalju.dLn.tums in Palästina das nationale Judentum im Galuth der Vernichtung anheimgegeöen sein wird; denn in Palästina wird sich der Begriff des Nationaljuderttums. der bis jetzt noch nicht fest Umrissen war, klar gestalten, und dann wird alles, was nicht so ist wie dieser Begriff, feine Existenzberechtigung verlieren Also mit dem Erstehen bä nationalen Heims gehr" die Diaspora der Nationalen Vernichtung entgegen. Aber noch lebt die Judenheit im Galuth. Und so gilt es, ihre nationale Rechtslage hier zu klären für die Zeit des -aufgezwungenen Provisoriums. Das Doichtigste, ja d a s Problem der Diaspora ist das Problem des A n t i s e rn i t i s m n s. Was i\t der Antisemitismus? Er ist nach Klatzkin nicht bloß ein Ueberrest der Barbarei, eine Frevelhaftigkeit, er ist auch nicht eine unheilbare Psychose, nein; soweit er eine Psychose ist, ist er -heilbar, d. h. seine barbarischen Auswüchse, die rohen Mittel, deren er sich oft bedient, "sind verwerflich, werden wohl aber auch allmählich verschwinden. In seinem ureigenen Kern wird er stets bleiben, solange die Judenheit im Galuth lebt; in seinem Kern ist er der Ausdruck eines berechtigtem Kampfmomentes im Leben der Völker, des Widerwillens der Völker gegen den Fremden, den Ueberall-Auslander, den Juden. Gerade der Widerwille der Völker ist der stärkste Gradmesser für das nationale Sein des Judentums; er ist am schwächsten, wo das Judentum national am schwächsten ist. Unsere Feinde sehen uns als das, was wir sind oder sein sollen, als Volk., als Fremdkörper, als eine dem Wirtsvolk fremde, übernationale Nation. Unsere Freunde dagegen sehen uns als etwas zur Assimilation Strebendes, als das, was wir nicht sein sollen, nicht als Volk im Volk, sondern als Volksgenossen; sie meinen tröstend, das, was uns von den anderen trennt, sei nur noch eine Folge des Ghettos und werde mit der Gleichberechtigung schwinden. Uno gegen die Meinung dieser Freunde muß der bewußte Nationaljude protestieren — Klatzkin meint, man muffe Vereine zur Wwehr des Philosemitismus gründen —; denn sie wollen die Vernichtung unseres nationalen Seins. Ihr Streben ist noch gefährlicher als das unserer Feinde. Wir, d. h. die bewußten Nationaljuden, wollen uns nicht verschmelzen; wir wollen ein Volk über alle Reichsgrenzen fein und bleiben. Wir fordern wohl Rechtsgleichheit, aber wir wollen national geschieden sein und bleiben. „Wir wolXeit lieber den alten Ler-özol! der Ausnah mestelluna a ls den neuen Seelenzoll der Gleichmachung entrichten. Lieber Juden ohne Gleichberechtiau ir g als Gleichbe r e ch 11 g u tt g o L n e In - den." ' Wie verhalten sich nun die verschiedenen jüdischen Richtungen Zu dis-sen Folgerungen? Zuerst d i e Assi mi l an te n (d. h., die Klatzkin Assimilanten nenntst Sie sagen: wir sind Deutsche jüdischen. Glaubens; wir sind nicht fremd und verlangen als Deutsche volle Gleichberechtigung. Wie es Unsinn wäre, einem jüdischen Schuhmacher nicht die Schuhe zum Besohlen zu geben, so ist es Unsinn, einen jüdischen Soldaten nicht zum Offizier, einen jüdischen Beamten nicht zum Minister zu machen, eben weil er Jude ist. Wir wollen nichts anderes sein als Deutsche jüdischen Glaubens. Und dieser SLandvunlt — sagt Klatzkin — ist natürlich falsch: aber er ist konsequent.

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