Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / B. S.
- Date
- 1919-05-01
- Page
- 215 (sequence 8)
- Language
- German
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Jüdische Rundschau ,215 Nun kommt aber das Interessanteste. Die Zürcher „I s r a - elitische Wochenschrift für die Schweiz", ein Organ des extremen jüdischen Nationalismus, äußerte sich zustimmend zu dem Antrag der Frau Edelstein- Friedmarm, bemerkte aber, es würde dafür Sorge getragen werden muffen, daß jüdische Kinder, die im Austausch zur Erziehung in fremde Länder kämen, nur in jüdischen Familien untergebracht würden — aus religiösen Gründen. ' Diese Forderung ist vollauf gerechtfertigt, so sehr, daß sie fast überflüssig scheint; denn religiösgesinme jüdische Eltern werden selbstverständlich dafür Sorge tragen, daß ihre Kinder in dem empfänglichsten Alter in. einer Umgebung erzogen werden, wo sie alle religiösen Vorschriften einhalten, die religiösen Zeremonien, Sabbat, Feste, Speisegebote beobachten, und während sie eine fremde Nationalität und fremdnationales Leben kennen und verstehen lernen, ihrer angestammten Religion nicht entfremdet werden. Die geplante Völkerversöhnung würde erschwert, ja vereitelt werden, wenn die dazu führenden Mittel die heranreisende Generation zum religiösen Jndisferentismus oder gar zum Abfall von der väterlichen Religion verleiten und tüetracht und Zerwürfnis in die Familien tragen würden. ch gläubige Katholiken und Protestanten werden gewiß darauf beacht sein, daß ihre Sprößlinge im fremden Lande mitten unter einer fremden Nationalität bei Glaubensgenossen Aufenthalt nehmen, und zwar aus dem gleichen Grunde, wie die relrgiösgesinnten Juden. Wie rechtfertigt sich aber diese Forderung vom Standpunkte des Nationalismus, der behauptet, die Juden seien nicht eine Religionsgemeinschaft, sondern eine Nationalität, überall dieselbe Nationalität, zwischen anderen eingebettet? Wenn da jüdische Kinder nur in jüdischen Familien uniergebracht werden, dann ist ja der Zweck der ganzen Einrichtung verfehlt, denn die jungen Menschen werden \a nicht eine andere Nationalität kennen mrd verstehen lernen, sondern sie werden überall im fremden Lande immer wieder nur dieselbe Nationalität vorfinden, der sie selber angehören. Was wird dabei -gewonnen werden? Wie soll das gegenseitige Verständnis unter den Nationalitäten gefördert werden? Oder sollen wir Juden allein von dieser großartigen Völkerversöhnung aus ewig ausgeschloffen bleiben? Wie sollen wir dann Anspruch erheben, in den Völkerbund ausgenommen zu werdeu? Das religiöse Prinzip ist mit der mannigfachsten Verschiedenheit der Nationalität vereinbar, aber kein Mensch kann gleichzeitig zwei Nationalitäten angehören. Sobald die neue Lehre von der „jüdischen Nationalität", die